Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine archivalische Informationsreise
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Eine archivalische Informationsreise. auch nicht von einem Fachmanne angelegt worden ist und daher von den alten Schriftstücken manches als unleserlich bezeichnet, was einem geübteren Auge vielleicht entzifferbar gewesen wäre, so hat sich doch der Verstorbene durch die Anlegung desselben eine dauernde Anerkennung verdient Durch ein freundliches Entgegenkommen seitens des Vorstandes war es mir möglich, von dem Goldschmidtschen Repertorium eine vollständige Abschrift herstellen zu lassen, welche ich der Archivkommission in einer späteren Sitzung bereits überreichen konnte. Ausser den von Herrn Goldschmidt aufgefundenen Archivalien, besitzt die Wormser Gemeinde noch einzelne andere, die dem Bewusstsein sozusagen nie abhanden gekommen und sorgfältig aufbewahrt worden waren. Eine Beschreibung der Wormser Archivbestände befindet sich weiter unten; einen Begriff von ihrem räumlichen Umfang gibt der Umstand, dass sie sämtlich in einem mittelgrossen Schrank im Sitzungszimmer des Vorstandes, und zwar in einzelnen Kartons, untergebracht sind. Ein Gefühl, das sich mir bei der Betrachtung der Wormser Archivalien aufdrängte, bin ich während meiner ganzen weiteren Reise nicht mehr losgeworden. Es bestand aus einem Gemisch von Wehmut, eines innigen und tiefen Bedauerns darüber, dass die schriftlichen Aufzeichnungen, welche über das innere Leben der Juden in Deutschland durch so viele Jahrhunderte dokumentarische Auskunft hätten geben können, sich nur in so verschwindend geringer Anzahl erhalten haben, und einer gewissen Freude darüber, dass sie andererseits doch nicht ganz vom Erdboden verschwunden und dass doch noch, wenigstens an einzelnen Orten, beachtenswerte Bruchstücke gerettet worden sind. Sunt memoriae rerum! Mit doppelter Liebe und Sorgfalt müssen diese kargen Überreste, die stummen und verstümmelten Zeugen alter Zeiten, gehegt werden, und es ist eine heilige Pflicht,