Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine archivalische Informationsreise
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829790-2885961--33583-2886057- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eine archivalische Informationsreise. 213 auf die oben erwähnten Rundschreiben des Gemeindebundes und der Grossloge von seinen älteren Akten in Worten sprach, die annehmen Hessen, dass dort ein gepflegtes Archiv vorhanden sei. In Betracht kamen Fürth in Bayern und Worms. Mit letzterem habe ich meine Tournee begonnen. Was musste man nicht bei einer Gemeinde, wie die Wormser, die der Sage nach von den Benjaminiten begründet worden ist, deren Mitglieder, dem Maasse-Nissim- Buche zufolge, sich einst auf Esras Aufforderung geweigert haben, nach Judäa zurückzukehren, deren wirkliche Geschichte aber auch auf ein ganzes Jahrtausend zurückblickt, für archivalische Schätze vermuten, umsomehr als die dortige Gemeinde in ihrem erwähnten Schreiben von dem Vorhandensein eines Archivs sprach! Es war mir allerdings bekannt, dass in einer Beilage zur »Münchener Allgemeinen Zeitung« einmal eine Notiz über dieses Archiv erschienen war, ich hatte das Blatt aber nie zu Gesicht bekommen. Da ich aber trotzdem, aus angeborenem Skeptizismus, meine Erwartungen nicht zu hoch spannte, war ich von dem Vorgefundenen ganz angenehm überrascht. Es zeigte sich zwar, dass von einem Archiv im strengen Sinne des Wortes kaum die Rede sein kann, dass sich aber immerhin sehr bemerkenswerte Bruchstücke eines vielleicht einmal vorhandenen, aber wohl kaum je geordnet gewesenen Archivs erhalten hatten. Diese Überreste der alten Archivbestände hatte das um die Wormser Gemeinde sehr verdiente dortige Vorstandsmitglied, Herr Julius Goldschmidt, den ich noch kennen gelernt habe, der aber inzwischen verstorben ist, in einem Speicher über der alten Gemeindestube gefunden. Er hat sich ihrer mit warmem Interesse angenommen und nicht nur den lange vernachlässigten Dokumenten eine bessere Unterkunft ver-, schafft, er hat sie auch geordnet und ein ausführliches Verzeichnis derselben angelegt. Wenn dieses Repertorium