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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 2 · p. Seite 164

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 2
Article
Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister
Date
1905-01-01
Page
Seite 164 (sequence 36)
Language
German
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164 Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister. ragenden Geister des Judentums beschäftigten sich eifrig mit d iesen Theorien, die von ihnen interpretiert und weiter ausgebaut wurden; die grossen Gemeinden hielten bei der Auswahl ihrer Rabbinen darauf, dass ihr geistliches Oberhaupt nicht nur eine talmudische Autorität, sondern auch mit der Kabbalah wohl vertraut sei. In der Tat hat die Lurja- Vital’sche Schule die kabbalistischen Probleme überaus vertieft und bereichert, sie hat dem kabbalistischen Denken und Kombinieren eine Fülle von neuen Ideen und Anregungen dargeboten, — freilich glänzende Phantasmagorien, schillernde Seifenblasen! Wohl fehlt es ihr auch nicht an spekulativen Gedanken von wertvollem Gehalt; aber selbst der Genuss daran wird dem Leser getrübt und verleidet durch die alles überwuchernde Buchstabenalgebra, die für die Gottesnamen und die heilige Schrift planlos in Anwendung kommt, und durch die mehr oder minder gekünstelten Wortspiele, bei denen Silben und Zeichen nach Lust und Laune verschoben und verschroben werden. Vielleicht aber lag gerade darin, wie in ihren Gebetsformeln und Ritualien, in ihrer Empfehlung, den Sohar auch ohne Verständnis zu lesen, die suggestive Kraft, mit der die Kabbalah alle Kreise des Ghettos in ihren Bann zog. Wer kann es leugnen, dass damit schwere und böse Schatten in den Ghettos aufstiegen, dass krasser Aberglauben und schädlicher Wahn immer tiefer in die Gemüter einsickerten, dass Charlatane und Abenteurer die günstige Gelegenheit benutzten, um die Leichtgläubigkeit auszubeuten, und dadurch das Judentum kompromittierten! Wer will andererseits die wohltätigen Wirkungen verkennen, in denen die Lehre des Ri-ha-kadosch ihren Einfluss auf die grosse Menge, auf die jüdische Volksseele bekundet hat! Sie hat eine neue Quelle des Mutes, der Kraft, zu dulden und zu tragen, den Gequälten und Verzagten eröffnet, als im 17. und 18. Jahrhundert wiederum schwere Stürme und Verfolgungen über zahlreiche Gemeinden

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