Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 33)
- Language
- German
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Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister. 161 Erscheinungen zu erkennen, darauf an, die schwierigen Bibelstellen, die Bedeutung der Ritualien, die Wirkung der Gottesnamen und des Gebetes zu erklären und zu begründen. Sie nimmt daher an, dass das Räderwerk des Alls von den moralischen und intellektuellen Energien der oberen Weltsysteme getrieben wird, und dass die moralische Energie sich auf Erden in mechanische Bewegungskraft umsetzt. Ebenso pflanzen sich die sittlichen und frommen Intentionen, Gebete und Handlungen in ihren Wirkungen nach oben fort, lösen in den höheren Welten die oberen korrespondierenden Moralkräfte, die als 1מיין נוקבין) öfters bezeichnet werden, aus, und indem die letzteren nach unten auf die Erde zurückwirken, setzen sie die von ihnen ausgehenden mechanischen Kräfte in solche Bewegung, dass sie der frommen Handlung oder dem richtigen Gebet entsprechend wirken müssen. Im Zusammenhang damit steht das groteske Spiel mit den Gottesnamen, mit den Buchstaben und grammatischen Zeichen, welche teils versetzt und mit einander ausgetauscht, teils ausgezählt und bewertet werden, ohne dass man hiefür eine andere Regel angeben kann, als die blosse Willkür und den Wunsch, irgend welche Aufstellungen aus der heiligen Schrift als berechtigt nachzuweisen und zu begründen. Solche Manipulation, zuweilen durch ihren Geist ansprechend, noch häufiger burlesk wirkend, nimmt im Lurja-VitaPschen System einen überaus breiten Raum ein, umrankt und durchsetzt, wie undurchdringliches Schlinggewächs, alle Betrachtung und Beweisführung, um *) מיין טקבין «Weibliches Wasser» steht eigentlich im Gegensatz zum Midrasch, der Bereschith rabbah cap. 13 erklärt: מים עליונים ־, זכרים והתחתונים נקבות indes nimmt die Kabbalah an, dass es im Himmel männliches und weibliches Wasser gebe, und dass das letztere meistenteils durch die Gebete und frommen Werke niedergezogen werde. Monatsschrift, 49. Jahrgang. 11