Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 2 · p. Seite 142

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 2
Article
Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister
Date
1905-01-01
Page
Seite 142 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829787-2829790-2885955--33505-2885986
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

142 Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister. anfall, »er fühlte ein körperliches Schütteln«, so schildert er selbst seinen Zustand, »sein Kopf wurde ihm schwer, sein Verstand wurde irre und sein Mund nach einer Seite hin gekrümmt«. Am Morgen sagte ihm sein Lehrer: wärest du nicht Rabbi Akiba, so wärest du nicht heil davon gekommen. Darauf berührte er seine Lippen mit einer nur ihm bekannten Gebetsandacht, drei Tage hindurch jeden Morgen, worauf er wieder gesund wurde. Solche Gunst, wie sie Vital erfuhr, hatte die Eifersucht seines Lehrers im Talmud, des als Prediger weithin berühmten Mose Alscheich, erregt. Er wandte sich an Lurja mit der Bitte, ihn unter die Zahl seiner Schüler aufzunehmen. Doch dieser lehnte mit dem Bemerken ab, dass Alscheich sich an seiner homiletischen Meisterschaft genügen lassen möge, sein Geist sei für mystische Intuition nicht disponiert. Da der Bittende immer stürmischer wurde, schlug Lurja vor, einen Schicksalsspruch hervorzurufen. Er wolle ihm den Weg angeben, den er auf seinen gewohnten Spaziergängen am kommenden Freitag nehmen werde; Mose Alscheich solle ihn alsdann auf der angegebenen Strasse erwarten, und falls er Lurja dort sehen und ansprechen werde, sei der letztere bereit, seinem Wunsche zu willfahren. Frühzeitig schon machte sich Mose Alscheich am nächsten Freitag auf den Weg, suchte sich einen Platz aus, an dem er den Herankommenden schon von ferne sehen musste, und wartete der kommende Dinge. Aber die Zeit verging, der Erwartete kam nicht, dem Wartenden wurden die Augen schwer und er schlief ein. Lurja kam mit seinen Schülern vorüber, sah den Schlafenden, ging weiter, kam dann wieder zurück und der Schläfer war noch immer nicht erwacht. Schliesslich, da es Abend geworden, beauftragte Lurja seine Jünger, ihn zu wecken, damit ihm kein Leid zustosse. Alscheich gab fortab jegliches Streben nach kabbalistischer Wissenschaft auf und verzichtete darauf, seine zahlreichen, vielgelesenen er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.