Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister. 139 Wenn in schweigender Stille der Nacht vom schlafenden Körper die Seele sich löst und zu höheren Regionen emporschwebt, wurde seine Seele von den Engeln des göttlichen Dienstes (מלאכי השרת) in Empfang genommen und gefragt, welchem himmlischen Vortragskursus er anwohnen wollte, und sie selbst oder Metatron geleiteten ihn zu der Vortragshalle desjenigen Talmudlehrers, nach dem sein Wunsch ihm stand. Als sein Geist eines Nachts in dem Hörsaal des R. Simeon ben Jochai, des angeb■־ liehen Verfassers des Sohar, weilte, da wurde ihm eröffnet, er müsse aus Kairo fort gen Safet ziehen, um seine Lebensbestimmung zu erfüllen, nämlich den zu grossen Dingen berufenen Chajjim Vital Calabrese in die Geheimnisse der Mystik einzuweihen und ihn zu seinem Nachfolger heranzubilden. Daraufhin ging er nach Safet Dort aber entdeckte er zu seinem grossen Schrecken, dass seine Weisheit zusammengeschrumpft sei und der heilige Geist ihn verlassen habe. Er versuchte es daher mit einer neuen verstärkten Askese und mit den üblichen Tauchbädern1), und in der Tat strömte ihm nach einiger Zeit der heilige Geist so reich zu, wie es seit Simon ben Jochai bis auf ihn nicht mehr der Fall gewesen. Er verstand es, die Gedanken zu lesen, wusste was im Herzen jedes ihm Gegenüberstehenden vorging, erkannte jede Sünde, jede Verfehlung, welche dieser einmal begangen hatte. Er sah es jedem an der Stirne an, wess Geistes Kind er sei und von welcher Seelenabstammung, und in welchem Stadium jede Seele auf ihrer Seelenwanderung sich befinde. Selbst auf die Seelenqualität von Tieren und Steinen verstand er sich. Als er einst mit einem seiner Jünger das Grab des Mischnalehrers Jehuda bar Hai besuchte, machte sich ein Rabe bemerkbar, der auf einen 1J Hier treten zuerst םגופרם (Geisselungen, Selbstquälereien) neben טבילות (Tauchbäder) als Mittel auf, um des heiligen Geistes teilhaftig zu werden.