Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
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136 Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister. bräischen Idiom1). So trieb er es zwei Jahre, bis er den kabbalistischen Stoff ganz in sich aufgenommen und \erarbeitet hatte. Was in den darauf folgenden Jahren mit ihm vorge־ gangen ist, darüber fehlt jede Kunde und schweigt auch die Sage. Es ist zu vermuten, dass er alsdann in irgend ein kaufmännisches Gewerbe eingeführt worden, wie er ein solches auch bis zuletzt betrieben hat Um 1570, viel־ leicht schon kurz vorher, siedelte er nach Safet über. Safet in Obergaliläa, nicht weit von Tiberias, war fast aus־ schliesslich von Juden bewohnt und der Mittelpunkt für die Judenschaft Palästinas geworden, wo die bedeutendsten Rabbinen und Talmudisten sich zusammen fanden. Nirgends sonst hatten sich die Existenzbedingungen für die Zuge־ wanderten so günstig gestaltet. Die Mohamedaner je־ ner Gegend erwiesen sich frei von Fanatismus und waren voller Respekt für die Bekenner des Judentums und ihre religiösen Lebensgewohnheiten. Dort angekommen, wurde ihm gleich nach dem Tode des Mose Corduero, eines der bedeutendsten Kabbalisten, der am 26. Juni 1570 aus dem Leben schied, der erste Rang unter den Mystikern von Safet eingeräumt. Hier hat er es zuerst gewagt, kabba־ listische Lehren in öffentlicher Predigt vorzutragen und zu popularisieren. Der mehr als hundertjährige David Ibn Sim־ ra, das Haupt des Safeter Rabbinats, soll dagegen ein־ geschritten sein. Jedenfalls sammelte er, was bis dahin nicht ganz gewöhnlich war, zahlreiche Schüler um sich, die er in seine mystischen Lehren einweihte. Für seinen Unterricht benutzte er keinerlei Buch, sondern erteilte ihn zumeist auf Spaziergängen, die er fast regelmässig am Freitag unternahm, wobei der Lehrer mit den Schülern die zahlreichen Grabstätten der Umgegend zu besuchen pflegte. x) Vgl. ,ויקרא רבד cap. 34 Ende, wo berichtet wird, dass Simon ben Jochai seine Mutter gemahnt habe, am Sabbath nur das notwendigste zu sprechen.