Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1904)
- Article
- Eine Zeitungsente aus dem Jahre 1790 und ihre Folgen
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 743 (sequence 13)
- Language
- German
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Eine Zeitungsente aus dem Jahre 1790 und ihre Folgen. 743 Schon an diesem 29. November, einen Tag nach dem Bekanntwerden der Pestgefahr, stellte es sich heraus, dass ein Bürger seine durch einen Juden veranlasste missliche Lage benutzte, um gegen alle Juden die Volksleidenschaft aufzustacheln.. Es lag die Gefahr nahe, dass dieses Vorgehen jetzt neue Nahrung erhielte. Statt jeder Schilderung lassen wir hier wörtlich einen von humaner Anschauung getragenen, an vorerwähnte protokollarische Vernehmung der Judenschaft sich anschliessenden Bericht, des Stadt- Oberrichters v. Effner an die Oberlandesregierung d. d. 30. Nov. folgen, der vermöge seiner klaren, vorurteilslosen Beleuchtung damaliger Zustände der bayerischen Hauptstadt, insbesondere auch wegen seiner teilweise amüsanten Darstellungweise, verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden. »ex officio.« »Durchleuchtigster Churfürst.« »Gnädigster Herr!« »Das unterthänigst beygebogene Protocoll samt Bei- »läge zeigt, auf welche Art der an mich erlassen gnädigste »Befehl wegen treffender Vorsorge bey hiesiger Juden- »schaff wider die in Prag unter selben herrschende Con- »tagion nach Möglichkeit in Vollzug gebracht worden seye; »und ich glaube die höchste Willensmeinung Euer Chf. Drt. »auch in der Rücksicht erfüllt zu haben, da ich einigen »schon seit langer Zeit sich hier aufgehaltenen Schutz- »juden aus Schnaittach und Mannheim die Entfernung aus »hiesiger Stadt auftrug. (Vgl. Rubrik 4 in obiger Liste. W.) »Obgleich auf solche Art keine physische Krankheit »unter der hiesigen Judenschaft zu entstehen zu befürchten »steht, so scheint sich doch noch ein politisches Ungewitter »gegen sie auzuhäufen, und meine Pflicht erfodert es, hie- »von der täglich zu befürchtenden Übeln Folgen wegen »Euer Chf. Drt. die untertänigste Anzeige zu machen.«