Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1904)
- Article
- Eine Zeitungsente aus dem Jahre 1790 und ihre Folgen
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 731 (sequence 1)
- Language
- German
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731 €ine Zeitungsente aus dem Jahre 1790 und ihre folgen1). Von M. Weinberg* in Sulzbürg (Oberpfalz). »Unter den Juden von Prag grassiret eine Seuche, »die täglich bey 30 Menschen wegrafft; der angesteckte »bekömt am ganzen Körper Beulen, und stirbt nach »deren Ausbruch in 24 Stunden«. Diese erschreckende Botschaft stand unter den vermischten Nachrichten der »Reichspostzeitung«, welche in Frankfurt a. M, erschien, Nr. 187, am Montag, den 22. November 1790. Sie fand sich auch in anderen politischen Zeitungen. Kein Zweifel, — es handelte sich hier um die asiatische Beulenpest. Ein panischer Schrecken verbreitete sich überall, wohin diese Kunde drang. Vor allem trat an die Behörden die verantwortungsvolle Aufgabe heran, dieser Krankheit einen Damm entgegenzusetzen, ihr Gebiet mögliehst einzuschränken, damit sie nicht die Nachbarländer in Mitleidenschaft ziehe. Man wusste recht gut, dass diese Beulenpest in früheren Jahrhunderten unzählige Menschen dahingerafft hatte; dem sollte jetzt rechtzeitig vorgebeugt werden. Schon am selben Tage (22. Nov.) gab Dr. Büchner, Kanzleirat, im Namen des Bürgermeisters und Rates der Reichsstadt Frankfurt der kurbayerisch ־ oberpfälzischen Regierung in Amberg Nachricht von dieser Zeitungsnotiz. Die Oberpfalz als Nachbarterritorium von Böhmen käme als Ansteckungsgebiet in erster Reihe in Betracht. Mit 9 Auf Grund eines Aktenfaszikels des Kreisarchives Amberg mit der Aufschrift »Acta, die unter der Judenschaft zu Prag ausgebrochene bösartige Contagion s. a. betr.« Hofkammerakt Nr. 1767.