Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1904)
- Article
- Geschichte der Juden in der Reichstadt Kaufbeuren
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 730 (sequence 10)
- Language
- German
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730 Geschichte der Juden in der Reichsstadt Kaufbeuren. aus, als am 10. Juli 1743 in dieser Markung einer der Ihrigen einem entsetzlichen Verbrechen zum Opfer fiel. An diesem Tage, so erzählt die Chronik1), ist ein Jude aus Kriegshaber, Namens Bernhard Gunz, als er eben die Germaringer Steige — von eben diesem Vorfälle her noch heute beim Volke die Judenhalde genannt — hinaufritt, von einigen Strassenräubern erschossen und, nachdem in einem nahen Busche ihm der Kopf abgeschnitten war, dem Pferde der lederne Ranzen abgeschnallt und des ganzen Wertinhaltes in Gold und Perlen beraubt worden. Niemand hätte sogleich von der Untat erfahren, wenn nicht das Pferd, das in der Nähe weidete, aufmerksam gemacht hätte, dass hier etwas ganz Besonderes vor sich gegangen sein musste. Es wurde nun nachgesucht, der Ermordete in das Siechenhaus geschleppt und der Totenbefund festgestellt. Darauf wurde der Jude hinter dem Gottesacker bei St. Sebastian ausserhalb der Mauer begraben .... Damit ist die Geschichte der Juden in Kaufbeuren zu Ende. Erst nach dem Uebergang der Reichsstadt in bayerischen Besitz (1802) Hessen sich von neuem jüdische Ansiedler, die von der tragischen Geschichte ihrer Väter nichts wussten, hier nieder. 0 Hörmann, Stadtchronik, III. Teil, p. 111. — Ratsprotokoll vom 12. Juli 1743.