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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-11-01 · Heft 11-12 (November 1904) · p. Seite 724

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 11-12 (November 1904)
Article
Geschichte der Juden in der Reichstadt Kaufbeuren
Date
1904-11-01
Page
Seite 724 (sequence 4)
Language
German
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724 Geschichte der Juden in der Reichsstadt Kaufbeuren. welche Beziehungen zu den Juden unterhielten, um sie hierauf obrigkeitlich vorzuladen und vor die Alternative zu stellen, entweder »sich innerhalb 14 Tagen von den Juden ledig zu machen oder Weib und Kinder an die Hand zu nehmen und sich aus der Stadt und ihren Gerichten zu entfernen«1). Die einheimischen Juden, welche ihre bürgerlichen Schuldner anzugeben sich weigerten, wurden über Nacht aus der Stadt geschafft2), auswärtigen Juden aber der Einlass in die Stadt auf alle Weise erschwert, 1548 das Einbringen von Fleisch bei Konfiskationsstrafe verboten3). Die erregte Fantasie trieb wieder die wildesten Blüten, und kein Mittel war zu schlecht, den Volkshass gegen die unbequemen Gläubiger zu schüren. 1555 tauchte z. B. auch das unsinnige Gerücht der sogenannten Blutbeschul־ digung auf, der angeblichen Ermordung von Christenkindern zur Gewinnung von Blut bei Bereitung der Mazzoth. Der Kartenmacher Abraham Vögele sollte sein Knäblein den Juden zu Ebersbach um 200 fl. verkauft haben, eine Anschuldigung, die sich bei gerichtlicher Untersuchung natürlich als vollständig erfunden erwies4). Nichtsdestoweniger sah sich ein grosser Teil der Bürgerschaft vor wie nach genötigt, sich an die Juden zu wenden, die durch ihre »geschwinden und arglistigen Praktiken« die kaiserlichen Freiheiten vielfach illusorisch zu machen wussten und schliesslich, in der rücksichtslosen Verfolgung ihrer Ansprüche,״ wohl auch manchen Städter von Haus und Hof brachten. Die Folge war, dass Kaufbeuren »aus hochbewegenden Ursachen und kreischender Notturfft« bei Kaiser Ferdinand I. um eine Neuaufrichtung und Erweiterung der Carolinischen Judenfreiheit einkam, welche der Reichsstadt alsbald gewährt wurde5). In der 0 Kauffb. Ratsprotokolle, Montag nach Valentin 1543. 2) Ebenda. 3) Hörmann, Stadtchronik, I. Teil a. h. a. 4) Ebenda, a. h. a.

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