Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1904)
- Article
- Die Juden des Mittelalters in ihrer wirtschaftlichen Betätigung
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 595 (sequence 20)
- Language
- German
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Die Juden des Mittelalters in ihrer wirtschaftl. Betätigung. 595 grossen Blutbad des Jahres 1349, als überall die Zahl der Juden sehr zusammengeschmolzen war, gehörte allerdings wohl längere Zeit hindurch ein andrer Erwerb zu den seltenen Ausnahmen1), immer abgesehen von der Aus- Übung der ärztlichen Kunst und der berufsmässigen Tätigkeit in religiösen Funktionen. VI. Der Wucher der Juden, das Leihen gegen Pfänder oder Schuldbriefe, ist oft genug behandelt worden; bieten doch die Quellen dafür ein ungemein reichhaltiges Material. Einen Hauptbestandteil der Judenordnungen bilden stets die Bestimmungen über das Pfandgeschäft, nicht gar viel von einander abweichend und bei ihrem rein formalen Charakter weniger geeignet das wirtschaftliche Wesen der Sache zu erhellen, als die kaum zu übersehende Menge der Urkunden und Akten, von denen überdies wohl noch manches der Veröffentlichung harrt. Nur einige bemerkenswerte Gesichtspunkte möchte ich hervorheben. Als regelmässiger Zinsfuss galt in Deutschland, abgesehen von vielen Abweichungen und späterer Herab- Setzung, 2 denar vom Pfund in der Woche2), das wäre 43 7370 im Jahr, wenn sich überhaupt mit Jahreszinsen rechnen Hesse. Die Darlehen auf Mobiliarpfand oder Schuldbriefe waren kurzfristige. Der Geldnehmer, der äugenblicklich des Bargeldes bedarf, giebt ein Wertstück zu Faustpfand, in der Absicht, es möglichst bald einzulösen. Nur wenn die Einlösung sich verzögerte, konnten die Zinsen zu bedenklicher Höhe anwachsen, aber niemals über den Wert des Pfandes hinaus. Dessen Verlust mochte den Eigentümer schmerzen, konnte aber seine Wirtschaftliehe Existenz nur in Ausnahmefällen gefährden3). Darlehen l) Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens und der Cultur der Juden in Deutschland während des 14. und 15. Jahrh. S. 182 ff. *) So wohl mit Recht Schulte, Geschichte des mittelalt. Handels und Verkehrs zwischen Westdeutschland und Italien B. 1, S. 317. s) Nach Bücher, die Bevölkerung von Frankfurt a. M. im 14. 38* *