Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. Seite 502

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-07-01
Page
Seite 502 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829776-2829784-2885485--33043-2885621
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

502 Heinrich Graetz, ein Lebensbild. angesehen, sein letztes Lebenswerk, das im Manuskript fast fertig vorlag, von dem erst einige wenige Bogen durch die Presse gegangen waren, zu Ende zu führen. Professor W. Bacher zu Budapest, ein Schüler von Graetz, der sich durch seine Editionen und Studien zur Geschichte der hebräischen Grammatik und Exegese einen angesehenen Namen erworben, hatte die Redaktion übernommen; derselbe war überdies gezwungen, ein beträchtliches Stück aus den Propheten, welches durch einen unglücklichen Zufall abhanden gekommen war, aus anderweitigen Notizen zu ergänzen. Ein solcher Unstern waltete über diesem textkritischen Bibelwerk, auf welches der verewigte Verfasser gar hohen Wert gelegt; ohne dass er wie sonst während des Druckes beständig die nachbessernde Hand anlegen konnte, musste das Buch als ein unvollständiges, weil nachgelassenes, erscheinen, unter dem Titel: Emendationes in plerosque Sacrae Scripturae Veteris Testamenti libros secundum veterum versiones nec non auxiliis criticis caeteris adhibitis. Ex relicto defuncti auctoris manuscripto edidit Guil. Bacher. 3 Th. Breslau 1892—1894. Der hebräische Wortlaut der Bibel wird freilich kühn und subjektiv behandelt, immerhin bleibt erst einer späteren Zukunft die richtige Würdigung Vorbehalten, wie weit die kritische Sichtung des Bibeltextes durch seine Forschungen auch wirklich gefördert worden; denn darüber kann kein Zweifel bestehen, Graetz war ebenso wie auf historischem, auch auf exegetischem Gebiet ein Meister, dessen Anregungen selbst dort, wo er irrt, immer noch wertvoll bleiben. Einst wird die Zeit kommen, wo man uns um das Grosse und Herrliche beneiden wird, dessen wir uns von Angesicht zu Angesicht erfreuen durften. Man wird freilich nicht an den Schmerz und Trauer denken, womit wir es unvermutet und unvermittelt aus unserer Mitte haben scheiden sehen. Noch weniger wird man die Selbstvorwürfe ahnen, die sich nachträglich bei uns eingestellt, dass wir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.