Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Moses und Hammurabi
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 399 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Moses lind Hammnrabi. 399 Sachau herausgegeben und übersetzt hat, stammt aus dem fünften nachchristl. Jahrhundert Bei einer Vergleichung mit dem röm. Rechte geht dasselbe nicht restlos auf. Diese!* Rest erklärt sich aber wunderbar bei einer Vergleichung mit dem Cod. Hammur. Müllers These und Hypothese lautet: »Auf einem Seitenwege kam das Gesetz des Hamm., sei es von Baby- Ion, sei es von Kanaan aus, nach Griechenland, beeinflusste daselbst die hellenischen Legislatoren und erreichte dann Rom, wo ein starker Niederschlag des Systems sich in den XU Tafeln erhalten hat. Der Weg muss erst aufgehellt werden (S. 243). Genug. Die Forschung ist im Gange. Und was heute kühne Hypothese scheint, kann morgen geschichtlich erhärtete Wahrheit werden. Die grosse Bedeutung dieses Gesetzwerkes besteht auch darin, dass wir hier zum ersten Male in eine grosse, geschlossene, systematische Ordung der Lebensverhältnisse eines alten, wohl organisierten Rechtswesens Einsicht erlangen und ein Bild seiner Gesellschaftsordung erhalten. Dieses Gesetzeswerk, durch das ein einheitliches, gleiches Recht für einen weitreichenden Friedensverband geschaffen wurde, stellt die Kodifizierung geltender Sitten und Bräuche vor und fusst auf alten, überlieferten Rechtsnormen. »Immer deutlicher wird das Weltbild und immer klarer die Zusammenhänge der verschiedenen Kulturen. Das, was die Menschen am Eufrat und Tigris, am Nil und am Jordan erlebt, erdacht und erlitten haben, gewinnt Bedeutung für die Menschen an der Themse, an der Seine, an der Spree.« Immer enger werden die Verknüpfungen und die Verkettungen. Vielleicht wird sich aus diesen wunderbaren und erkenntnisreichen Forschungen, das Resultat ergeben, dass die zivilisierten Menschen aller Sprachen, Nationen und Religionen einander begreifen und schätzen lernen.