Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 346 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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346 fCeinrich Graetz. Ein £ebensbil5. Von PMlipp Bloch., Posen. (Fortsetzung). Oraetz hat ferner nicht nur neue Quellen erschlossen, er hat den bereits erschlossenen nicht selten neue Gesichtspunkte und überraschende Aufklärungen abgewonnen. Er verstand es besonders, jüdisehen Berichten, die fast verblasst schienenoder gar unglaubwürdigklangen, durch Aufspürung schwer erkennbarer Parallelen und Belege bei nichtjüdischenSchriftsteilem den farbenfrischen Hintergrund oder die lebensvolle Wirklichkeit oder doch den tatsächlichen Kern zu rekonstruiren, und suchte bald mitmehr bald mit weniger Glück überall Mittelglieder und Ergänzungsstücke heraus zu finden und einzufügen. Als er mit dem Mut der Begeisterung an das kühne Werk ging, war die jüdische Geschichte zumeist noch ein weites, unübersehbares Trümmerfeld, über welches flammende Ereignisse ihre Lava ergossen, der Staub der Jahrtausende sich niedergeschlagen hatte. Nur einzelne Ruinen und litterarische Schöpfungen ragten aus der weiten unwegsamen Oede der trostlosen Verwüstung spärlich hervor; sonst gab es weder Steg noch Spur, um sich in diesem Labyrinth von Trümmern, Schutt und Gestrüpp zurecht zu finden. Allerdings hatten die grossen Schöpfer der jüdischen Wissenschaft, Zunz und Rapoport, welche noch immer nicht, ihrem ausserordentlichen Ver-