Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Collectaneen
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 277 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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277 Collecianeen. Von A. Schmiedl. I. Graetz, der in seinen unermüdlichen Geschichtsforschungen immer neue Minen anschürfte, hat in einer hebräisch geschriebenen Studie1) an drei Beispielen den Nachweis erbracht, welche grossen Dienste zur Aufhellung dunkler Stellen im Talmud und Midrasch uns die biographische Kenntniss der verschiedenen römischen Herrscher leisten könnte. Wir gestatten uns nun hier hinzuzufügen, dass auch die römische Altertumskunde, die noch in manchen eigentümlichen lateinischen Wortbildungen sich ausprägt, uns in dieser Beziehung treffliche Dienste zu leisten im Stande ist, was ich hier an zwei bescheidenen Beispielen nachzuweisen versuche. 1. Im Talmud Gittin 56 b, wird bekanntlich eine sagenhafte Anekdote über Vespasianus mitgeteilt, nach welcher dieser, als ihn plötzlich die überraschende Nachricht seiner ausserordentlichen Rangerhöhung ereilte, einen Schuh ablegte, denselben jedoch nicht durch die Anlegung eines andern Schuhes zu ersetzen vermochte: חוה סיים הד מסאני בעא לסיימא לאחרינא לא עייל♦ Nun vielleicht entstand diese ganze Legende nur durch einen solchen eigentümlichen lateinischen Sprachgebrauch. Denn Calceos mutare — »Die Schuhe wechseln« — bedeutet: Zu einer höheren Rangstufe avancieren. Freilich ist im engern Sinne damit nur die Rangstufe eines Senators gemeint, weil die römischen Senatoren eine eigene Art Schuhe trugen. Allein die Sagenbildungen haben sich niemals durch solche strenge Distinctionen ausgezeichnet מושלי הרומאים בתלמוד ומדרש (ג, in Gräbers Jahrb. Ozar ha- Sifruth, I, pag. XX ff.