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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-05-01 · Heft 5 (Mai 1904) · p. 257

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 5 (Mai 1904)
Article
Haeckels "Welträtsel" und die Religion
Date
1904-05-01
Page
257 (sequence 1)
Language
German
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IJaeckels ״Velträtsd“ und die Religion. Von J. Lewkowitz. Wer zur Masse spricht, muss in lautem Tone reden. Er sieht sich ferner genötigt, die Probleme nach Möglichkeit zu vereinfachen und ihre Zahl zu beschränken. Auch müssen seine Ansichten den Eindruck unbedingter Gewissheit hervorrufen. Für Hypothesen sind nur wissenschaftlich geschulte Köpfe zu gewinnen. Die Menge verlangt Sicheres. Sie will ausserdem sämtliche Fragen mit einem Schlage gelöst haben und hört ihre eigene Sprache am liebsten. Daraus, dass Haeckels »Welträtsel« die Psychologie der Masse so sorgfältig berücksichtigen, erklärt sich, wenn auch andere Ursachen unstreitig mitgewirkt haben, ihr grosser Erfolg. »Der ungebildete Kulturmensch ist noch ebenso wie der rohe Naturmensch auf Schritt und Tritt von unzähligen Welträtseln umgeben. Je weiter die Kultur fortschreitet und die Wissenschaft sich entwickelt, desto mehr wird ihre Zahl beschränkt. Die monistische Philosophie wird schliesslich nur ein einziges allumfassendes Welträtsel anerkennen, das Substanz-Problem« (S. 12)1). So sucht Haeckel selbst die radikale Vereinfachung der Fragen, die er vornimmt, wissenschaftlich zu rechtfertigen. Dass dieser Versuch misslungen ist und notwendig misslingen musste, liegt auf der Hand. Die Philosophie hat irgend jemand als die Problematik des Selbstverständlichen definiert. Und tatsächlich zeigt uns ihre Geschichte, dass allmählich diejenigen Dinge, die dem naiven Bewusstsein als natürlich und durchaus verständlich galten, anfingen fraglich zu werden. Die Frage nach der Realität der Aussenwelt, nach der Existenz von Raum und Zeit, nach der Möglichkeit der Erkenntnis überhaupt, sie alle sind langsam eine nach der L) Wir zitieren nach der Volksausgabe. Monatsschrift, 48. Jahrgang. 17

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