Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 177 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Heinrich Qraetz. Ein Lebensbild. 177 dem dunkelsten Buch der rabbinischen Litteratur, dem 1ספר יצירה), zum ersten Mal einige helle Seiten abgewinnt, dazu eine durchsichtige Klarheit in Anordnung und Vortrag, zeichnen die Schrift aus und zeigen schon völlig das eigenartige Gepräge seines wissenschaftlichen Geistes; dieselbe wurde von den verschiedensten Seiten beifällig aufgenommen, sie hat ihm in der jüdischen Gelehrtenwelt eine Stellung gegeben. Solche überraschende Erfolge schwellten die Brust des litterarischen Novizen, der sich aus sich selbst mühsam und schwer durchgerungen, mit berechtigter Freude und glücklichen Hoffnungen. Sein Stern schien im Aufgehen. Die Flitterwochen seines ersten Ruhmes, bei deren Erinnerung es noch im späten Alter wie ein Sonnenstrahl über sein-Gesicht zog, gedachte er in der Nähe seiner Eltern zu verleben und er nahm hierzu den Weg über Krotoschin. Hier im Hause seines Freundes trat ihm das halbwüchsige Mädchen von ehedem, dessen Bild in seinem Gedächtnis wohl zurückgetreten, mit seinem verblassenden Schimmer aber doch nicht ganz erloschen war, als aufblühende jungfrau entgegen; es war die Tochter des Besitzers der bekannten hebräischen Buchdruckerei, Monasch. Beide machten einen tiefen Eindruck aufeinander. Graetz, der seine Erwartungen von der Zukunft nunmehr als gesichert betrachten zu dürfen meinte, machte aus seinen Gefühlen kein Hehl, und da dieselben erwidert wurden, tauschten sie als Brautpaar das Gelöbnis gegenseitiger Liebe aus. Er ahnte damals nicht, dass er ein Frauenherz gewonnen hatte, stark und befähigt, ihm in die dunkeln Tage, die gar bald schwer über ihn hereinbrechen sollten, wie ein freundlich helles Gestirn hineinzuleuchten und ihm den Stützpunkt zu bieten, an dem er sich aufrecht hielt. *) »Das Buch der Schöpfung«, das eine halb philosophische, halb mystische Weltanschauung entwickelt. (Fortsetzung folgt.) Monatsschrift, 48. Jahrgang. 12