Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 77 (sequence 1)
- Language
- German
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77 Die Einführung des }(ebraischcn in ‘Wittenberg. Mit Berücksichtigung der Vorgeschichte des Studiums der Sprache in Deutschland. Von Gustav Bauch. (Fortsetzung). In dem ersten Werke erklärte Nfigri nur, und hier in Übereinstimmung mit Reuchlin, das Zefer toldot jehoschuah hanozeri, Liber generationis Jesu Nazareni, eine blasphemische rabbinische Schmutzschrift, für verwerflich und unerträglich, in der Stella Meschiah verlangt er aber weitergehend, dass die deutschen Fürsten »das verflucht buch talmud« in ihren Landen nicht leiden, sondern mit Gewalt verbrennen lassen sollten. Wenn er sich hierbei auf die Anordnungen eines Konzils beruft, so irrt er vielleicht unbewusst: beide Forderungen sind Anordnungen der Bulle Benedikts XIII., die er nur wiederholt. Nehmen wir nun noch hinzu, dass er Dominikaner war wie die Kölner Hintermänner Pfefferkorns, so finden wir alle Momente des Reuchlin’schen Streites in seiner einen Persönlichkeit vereint, nur eins fehlt, das humanistische, denn er war ein Gegner dieser Richtung, die er in der Stella als Torheit beklagt: «O wie viel yezund lernen poetrey und tichten und wenig lernen die ewangelia!» Von anderen eigenen Schriften erwähnt N i g r i noch eine Abhandlung De divinitate Messiae und eine Glossa in psalmos1). Wie lange Schwarz in Ingolstadt gewirkt hat, ist nicht festzustellen2), dass sein Landesherr Ludwig mit *) Im VI. Kapitel des IV. Traktates der Stella Meschiah. 2) Uber seine ferneren Schicksale vergl. G. Bauch, a. a, O.