Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 6 · p. Seite 491

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 6
Article
Der Nomos
Date
1903-01-01
Page
Seite 491 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829768-2829775-2884929--32357-2884954
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Nomos in philonischer Beleuchtung. 401 blosse Wiedererwachen der Natur feiert. Die Frage ist, wie Ph. diese seine Theorie auf den Nomos zu stützen vermag. Der Buchstabe desselben, an den er sich sonst halt, sprcht am wenigsten dafür. Da ist durchgängig das geschichtliche Moment als Grund des Festes angegeben, und involvirt auch die Hinzufügung von בחדש האביב, wie es an zwei Stellen dazu beisst, durchaus nichts vom agrarischen Charakter des Festes, das ist einfach Bestimmung des Termins der Feier nach der der Schrift eigenen Art, die Monate nach Natur- Vorgängen zu bezeichnen, vgl. die ähnliche Verwendung von ירה האתגים I. Kon, s, 2. Da hat sich denn Philo eines exegetischen Kunstgriffes bedient, ob bewusst oder 11nbewusst; er lässt das eigentliche Festthema fallen, er spricht vom Monat, der Zeit des Festes, nicht von diesem selber, ausgehend von der Bezeichnung desselben als des ersten Monats. .Dass dies wieder nur auf die geschichtliche Bedeutung des Monats geht, zu sehen, hindert ihn sein ]Rationalismus; er findet es seiner Denkrichtung gemässer, die Bezeichnung des ersten Monats auf das Naturleben zu beziehen, als das Gebot von allgemein menschlicher Bedeutung. Damit befindet er sich eben auch in seinem Element. Es ist ja das die Stärke dieser Schule, was es nur von verwandten Begriffen giebt, zu combiniren, und liier ist die Ideenassosiation, die zum Anfang oder zum Abbild des Uranfangs der Welt führt, geläufig genug. Wohin dann aber, zu welchen Banalitäten geradezu sieh verfluchender Rationalismus, wie in dieser Schule allmählich führt, sieht man weiter an der Begründung des Gebotes vom Genüsse des ungesäuerten Brotes. Statt bei dem geschiehtliehen Grunde stehen zu bleiben, den er auch kennt, und den er fast in derselben Fassung hat wie die Pessachhaggiula Cap. NNVf ed. Tisch., oder auch in dem gleichfalls ein geschichtl. Moment enthaltenden להם עני den Grund zu finden, sucht er nach kalten Yernunftgrüuden. Da muss der noch unfertige Charakter der Vegetation draussen um die Zeit des Festes herhalten, den gleichsam unfertigen Charakter der Festeskost, indem er ihr etwas, eben der Sauerteig, fehlt, zu erklären. Wie wenig tiefsinnig solche Deutung eines Ileligionsgebotes, wie eben nur flacher Rationalismus auf einen sq vagen Einfall gerathen konnte, erkennt man leicht. Glücklicher ist unser lieligionsphilosoph wieder im Aufsuchen von Analogieen im Gesetz. Er verweist auf die Aehnliehkeit mit den Schaubroden auf dem Tiseh des Heiligthums nach der Be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.