Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 418 (sequence 2)
- Language
- German
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4LS Die Paulinische Lehre vom Gesetz. für uns ein Fluch ward, weil geschrieben ist: ״״Verflucht ist jeder, der am Holze hängt““ (Deut, 21, 23)1). Wie man nun sieht, citirt Paulus beide Male (frei) nach der Septuaginta. Im hebräischen Text fehlt hier wie dort fürs Erste das Wörtchen : ״jeder“ (דד*;). Worauf es jedoch dem Apostel bei jenem ersteren Citate offenbar noch weit mehr ankommt, das ist das Wort: ״bei alle mu (sv יסד .׳7׳2 דד; av;01; etc.), welches im hebräischen Texte gleichfalls fehlt. Nichtsdestoweniger befindet er sich damit in voller Uebereinstimmung mit der traditionellen Auffassung. Denn auch im Talmud werden die betreffenden Schriftworte (ארור איטר לא יקים את דברי התר הזאת etc.) auf das ganze Gesetz bezogen — und nicht etwa bloss auf die Summe der vorher (V. 15—25) aufgezählten (elf) Einzelgebote2). Anders steht die Sache freilich, wenn Paulus, obschon er wohl weiss, dass an jener Stelle des Deuteronomiums auch etwas vom Segen steht, gleichwohl nur vom Fluche Kenntniss haben will und diesen so scharf betont und her־ vorkehrt. Wohl nimmt ja daselbst der ״Fluch“ — in der Darstellung — thatsäehlieh einen grösseren Raum ein, als der ״Segen“. Allein der Talmud weiss trotzdem dafür zu sorgen, dass auch der letztere in keiner Weise zu kurz komme. Nach ihm wurden auch die Segensworte, ganz ebenso wie die Fluchworte, auch e i n z e l w e i s e verkündet3). Ferner wird gelehrt, dass dev Verkündigung des Segens vor dem des Fluches zeitlich der Vorrang eingeräumt wurde — in Ueboreinstimmung mit der Schrift hier (27, 12. 13) wie auch an anderen Stellen (Deut. 11, 29; Jos. S, 33) — und dass auch bei der Segensverkündigung die Leviten das Wort geführt haben, und zwar — auch das wird nachdrück־ lieh betont mit erhobener Stimme4). 1) Dass beide Verse zusammen geboren, ist wohl klar. S. L i psius z. St. V. 1:5 (a. a. 0. S. 3S): «Christus steht. nachdrucksvoll voran. Der Satz ist asyndetisch; sachlich bildet er den Gegensatz zu V. 10w. — Voeiter tilgt die beiden — dazwischenliegenden und den Zusammenhang störenden — Verse 11 und 12 ganz und gar (bei Lipsius ebendas, zu V. 12). 2) Sota 37 a (Tosifta Sota C. vni): ת״ר ברוך בכלל ברוך בסרט ארור בכלל ארוך בסרט und die ganze folgende Auseinandersetzung. Vgl. Kascki z. St. und zu Deut. 27, 26 wie auch Ihn Esra daselbst. Im jerusalemischen Talmud (Sota 21 d oben): כתיב ארור אשר לא יקים את כל דברי התורה הזאת ist dieses überschüssige Wörtchen wohl nur Schreib־ fehler und zu streichen. ’) S. die vorige Anmerkung. ף M. Sota VIL 5: הפכו פניהם כלפי הד נדיזים ופתחו בברכה. Be-