Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Purim und Parodie
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 361 (sequence 2)
- Language
- German
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Purim und Parodie. 361 bürg) nicht unbekannt sein, — vielleicht belehrt uns Hr. Dr. Grunwald darüber. — In Posen, schliesst Hr. Dr. E. seine Mitteilung, werden Haman’s Taschen gebacken. Taschen (״Taschkerl״) nennt man in Oesterreich eine kleine mit Fleisch, Pflaumenmus oder jungem Käse gefüllte Mehlspeise, vulgo Kreppehen (wahrscheinlich zusamnaenhängend mit dem süddeutschen Krapfen; ob ursprünglich ״Kropfcl1€־ntt, also gefülltes Hälschen?), welche als Purimspeise weite Verbreitung gefunden haben. Vielleicht dachte man dabei an das Aufhängen am Halse. Es fragt sich nun, ob es eine italienische Speise überhaupt, Namens 0 r ecchi gab,, die man mit Haman in Verbindung brachte, oder ob man die deutschen Taschen (Kröpfchen) in Ohren verwandelte, bei denen Haman genommen wurde, da das deutsche ״bei den Ohren kriegen“, gefangen nehmen heisst. VIII. Chanukka. Das Wenige, was hier über dieses Fest, gewissormassen als Folie von Purim, angegeben wird, soll durch den Gegen- 8at:5 dazu dienen, den Charakter des Purimfestes hervorzuheben1). Dieser Gegensatz ist vielleicht am treffendsten, jedenfalls am kürzesten, ausgedrückt durch: Volks fest und Erinnerungsfeier. An Purim entsprach man dem Jammer der Gegenwart durch den Fasttag; das Fest feierte man durch wiederholtes Vorlesen des biblischen Buches Esther mit unterbrechendem pereat Haman, durch Geschenke, durch ein Mahl mit obligatem Rausch, durch Aufführungen und Spiele. Chanukka war für das grosse Publikum mit dem Lichtanzünden an 8 Abenden abgetan, die Tage blieben unberührt. Von den unterscheidenden Gründen und Motiven mag hier Weniges genügen. Ilamaniaclen, 11m es kurz zu bezeichnen, wiederholten sich, Makkabäerkämpfe waren im Exil unmöglich. Purim kannte jedes Kind durch die Vorle8ung des B. Esther, das hebr. סגלה אגמירכס, dessen Abfassung Zuriz (G. V. 142 der 2. Ausg<, wo dieser Titel im Index fehlt) in das gaonäische Zeitalter verlegt (vgl. die Citate in Ar&b. Lit. d. Juden, S. 277 n. 33), ist nur in engerem Kreise gelesen worden, die griech. Makkabäerbücher waren nur wenigen Gelehrten bekannt (8. w. unten). Die Feier war zu einfach, um eine Abwechslung oder Veranlassung zu >) Vg). Jellinek, בידדם VI, p. V—VII.