Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 20)
- Language
- German
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250 Di© Vorlesungen Harnaeks über das Wosen des Christonthums. als eine sogenannte ß e c b t s p a r ö ש i e erscheinen, wie als ein zur Ausführung bestimmtes Gesetz. Das war jedenfalls die Meinung der P 11 ar is a e r, welche bei der U n m 5 g 1 i c h k e i t von dessen gerechter Ausführung es als die Forderung eines dem Schaden möglichst nahekommenden Ersatzes inGeldes werth ansalio n1). Ueberhaupfc waren gerade sie von einer solch milden Gesinnung im Strafrecht geleitet, dass bei ihnen die Anschauung sich bilden konnte, ein Gerichtshof, der auch nur innerhalb sieben Jahren ein Todesurfcheil fülle, verdiene ein mörderischer Gerichtshof genannt zu werden, und dass 11ervorragende Schriftgelehrte um das Jahr 100 n. Chr. erklären konnten, sie würden niemals ein Todesurtheil gelallt haben2). Darum wird wohl zu* jenem Satze des Strafrechtes in der Pfrmahnung zu weitestgehender Nachgiebigkeit, Jesus ausspricht3), ein überaus wirkungsvoller Gegensatz aufgestellt, aber der Gegensatz, ist mehr r h e t o 1־ i s c h, als sachlich berechtigt. Auch auf andere pharisäische Lehren lallt vielfach ein falscher Schein und es werden ihnen An- Behauungen unterstellt, die dem wirklichen, in den jüdischen IJeberlieferungen erhaltenen, Sachverhalte geradezu widersprechen4). Die Hauptquelle der christlichen Vorstellungen von den Pharisäern und den Schriftgelehrton ist die Paraboi Jesu vom P 11 a r i s ä e r u n d dem Zöllner geworden. Sie ist eine Perle des Lucasevangeliums5) und stellt mit schlagender Kraft der Selbstgenügsamkeit und dem beschränkten Hochmuthe eines äusserlich correcten, aber innerlich holden ״Frommen44 die Demuth und den hoffnungsvollen Glauben einer sündigen, aber zu Gott sich emporringenden, Seele gegenüber. Die in ihr enthaltene Lehre ist jedoch nichts anderes, als was auch die grosse Mehrheit der Schriftgelehrten gelehrt hat. Sie haben in gleicher Weise die selbstbewusste, geschäftige und ostentative Frömmigkeit verurtheiit und die D e m u t h als die Krone der wahren Frömmigkeit geprieseu. Sie haben als eine der schwersten Sünden es bezeichnet, Andere öffentlich zu beschämen, zu dem, der seine *) T. b. Baba kamma 83b f. Vgl. dazu Graetz IIP, 98 u, 652, 8owi0 Saalschutz, das mosaische Recht, 2. Auf!., 449 ff. 2) Mischna Makkot 1, 10. Matth. 5, 38—42. . *) Vergl. Wünsch© a, a. 0. zu Matth. 15, 3 ff. (Marcus 7, 9 ff.) 0)18,9—14.