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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 3 · p. Seite 232

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 3
Article
Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
Date
1903-01-01
Page
Seite 232 (sequence 2)
Language
German
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232 Das Judonthum im neutestamentl. Zeitalter in cliristl. Darstellung. der Thora, Joch der Gebote, Joch des Himmelreiches, im Unterschiede vom Joch der weltlichen Herrschaft, Joch der gewerblichen Thätigkeit der Full ist. Ein zweiter, noch verhüngnisvollerer Misbrauch ist die Anwendung des Ausdrucks Gesetz für dasjenige, was im Hebräischen durch תורה d. i.. Lehre bezeichnet wird. Ursprünglich haben die griechischen Juden das Wort gebraucht, um der Heidenwelt verständlich zu machen, was die Thora für die jüdische Welt bedeute, und für diesen Zweck schien ihnen das Autorität in sich schliessende Wort Gesetz dienlicher zu sein, als Lehre, welches Wort für die Aussenwclt erst der Ergänzung Lehre Gottes oder Lehre Mosesr bedurft haben würde, um Eindruck zu machen. Der evangelischen Polemik kam nun der Ausdruck Gesetz ausserordentlich zu statten, indem man auf das demselben innewohnende •Strenge, Starre, Unerbittliche hinwies, das zu beseitigen der Welt überall als Verdienst erscheinen wird, wobei man jedoch sich nicht wissen machte, dass auch die erhabensten Sittengebote wie die Elternverehrung, die Nächstenliebe, die Wohithätigkeit und andere an das freie Ermessen und das Herz sich wendende Vorschriften durch den Ausdruck Gesetz bestimmt oder getroffen werden, sondern denselben in seiner ganzen Schärfe allein auf die .Abstinenz- und ßitualgeboto bezog und deren Abrogierung dadurch erleichterte. Dies alles ist hundertmal geltend gemacht worden, für die christlichen Darsteller des Judenthums ist es in den Wind gesprochen. Nach ihnen ist und bleibt nun einmal das Judenthum des neutestamentlichen Zeitalters sozusagen eine Correctionsanstalfc, in der seine Eekenner in Zwangsjacken herumlaufen und unter Mühe und Noth darauf ausgehen, dem Kerkermeister, d, i. dem lieben Gott eine Gunst abzusclimeicheln. Deshalb muss man das thatsächliche Verhältnis immer von Neuem in Erinnerung bringen. Das Gesammtjudenthum ist Thora d. h. Lehre und durch diesen begrißlichen Charakter stellt es sich in stricten Gegensatz zum Gesetz, wenn dadurch äussere Nothigung ausgedrückt sein soll. Der Satz könnte paradox erscheinen, seine principiellc Thataächliohkeit geht aber schon aus der Bemerkung K. Simlai’s, eines taimudisehen Lehrers des 3. Jahrh. hervor, dass der Prophet Habakuk (2, 4) sämtliche Gebote auf die Erfüllung der einen Forderung, reduoiert habe: ״Der Gerechte lebt in seinem Glauben«־״ Diese Aeusserung, welche unstreitig einen Record von freilich nur

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