Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1902)
- Article
- Eine illustrirte Pessach-Haggadah in der Münchener Kgl. Hof- und Staatsbibliothek
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 561 (sequence 2)
- Language
- German
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Eine illustrirte Pessach-Haggadah. 561 Quadratschrift geschrieben sich von Fol. 7 b bis 36 b erstreckt, g$ht auf 6y2 Blättern eine lateinische Bearbeitung voran, die auf Befehl eines hohen Geistlichen abgefasst wurde. Der Haggadahtext enthält ganz kurze hebräische Anweisungen und lateinische Marginalnoten. Auf der letzten Seite ist der Name des Schreibers mit den Worten: אני הסופר יוסף בר אפרים ז״ל verewigt, während der lateinische Theil mit dem Datum 1493 schliesst. Dass die Haggadah den letzten Decennien des XY. Jahrhunderts angehört, liesse sich übrigens auch ohne diese Angaben durch ihre Darstellung des Costumes1) beweisen, welche in vielen Beziehungen den Trachten der ungefähr um dieselbe Zeit abgefassten ersten und zweiten Haggadah des germanischen Nationalmuseums in Nürnberg entspricht2). Für den deutschen Ursprung der Handschrift spricht ausser der deutschen Quadratschrift auch der Umstand, dass darin die Gebetstücke; אז רב גסים הפלאית בלילה und אמץ גבורותיך הפלאת בפסה Aufnahme gefunden3) haben. Ausschlaggebend für ihre Provenienz sind die Ausdrücke איפך (Eppich) und לטיגא (Lattich), welche nur in deutschen Handschriften Vorkommen. Die älteste deutsche Handschrift bei Earl of Crawford in London No. 2 wie auch die späteren Nürnberg I und Nürnberg II haben lür ברפם der Haggadah’s s.panischer Herkunft■ die obengenannten Ausdrücke4). Einen poetisch-liturgischen Theil besitzt unsere Handschrift ausser den erwähnten zwei Stücken, dem אדיר הוא und כי לו גאה nicht, wie sie überhaupt sehr wortkarg ,ist, so dass selbst das Tischgebet wie die Zahlenspielerei älteren Ursprunges: אהד מי יודע fehlen. In der Person des Schreibers ist wahrscheinlich auch der Illustrator zu suchen. Jedenfalls rühren die Illustrationen von der Hand eines jüdischen Meisters her, der an einer Stelle sogar den jüdischen Volkswitz anf eine grotteske Weise zur Anschauung bringt5). Von einer auch nur halbwegs richtigen Perspective der Bilder kann nicht die Hede sein. In der Technik und Anb Vergl. B..Köhler: Allgerü. Trachtenkunde II. Abth. III. Tb, p. 100. ' *) Vergl. Müller-Schlosser: a. a. 0. p. 120 ff, Tafel XVI. XVII. XIX. XX. *) Ibidem Müller: die Haggadah p. 14. 4־) Ibidem p. 52. 5) Siehe weiter in der Beschreibung bei מרור.