Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Article
- Nochmals der hebräische Sirach
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 326 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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326 Nochmals der hebräische Sir ach. Sinn, dass טיבותא bei S dem allgemeinen Sprachgebrauch nach immer nur seine buchstäbliche Bedeutung hat, dass ausserdem die Annahme des Schreibfehlers ein Nothbehell ist; חד מינו אמרינן תרי מינו לא אמרינן. Ich hatte durchaus II S gegen G nicht anerkennen wollen, weil mir D. S. Margoliouth’s Ansicht, H stamme aus S und dem Persischen, so wenig wahrscheinlich vorkam■, wie den meisten Forschern. Ich theilte meine Zweifel mehreren Fachmännern mit und bin von ihnen (auch meinen sonstigen Ausführungen stimmten sie zu) darin bestärkt worden. Ich gebe also die Deutung טיב טיבותא als schwer glaublich, weil sprachlich angreifbar, auf. Was thun wir aber nun mit 441? einer Hauptstelle des Sir. in allen Quellen, wo sich gerade H — S herausstellt? H ist allerdings vielfach verderbt worden. Aber es ist miss״ lieh, dass solche angeblichen Yerderbtheiten gerade H — S zeigen, also gerade das, was man schwer zugeben will. Doch der Satz ״sed magis amica veritas“ führt oft zu einfacheren Deutungen. Weshalb heisst es wörtlich 4410 ואולם אלה אנשי הסד (was bei mir gerade in S fehlt), wenn es nicht eine Bekräftigung von 44, sein soll? Hier ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass H durch G geändert worden ist. Sirach dem Aelteren steht überall Frömmigkeit und Gottesfurcht obenan. Wohl rühmt er Josua’s Kriegsthaten (46x — H 6 c), um dann auf הסד, die F r ö mmigkeit Josua?s, zurückzugreifen und sie als das Höchste hinzustellen. Sirach der Jüngere berechnet seine lieber Setzung auf Alexandriner. Bedenke man den hohen Werth des Ruhmes bei den Griechen. Da waren es ״die berühmten Männer,als welche die Frommen der Vorzeit auftraten, und unter diesem Gesichtspunkte war den Hellenisten äie Vergangenheit theuer. Welcher spätere Schriftsteller hätte im Mittelalter wohl Frömmigkeit mit חסד übersetzt? Ja, wer hätte den Begriff der W ohlthätigkeit so wiedergegeben? ,יראת שמים גמילות חסד waren die Ausdrücke dafür. Dagegen finden wir in ברכת אבות das וזוכר חסדי אבות, dem biblischen Gebrauche gemäss, wie חסדי דוד הנאמנים. So wird hier demnach H als echt festgehalten werden können, wenn man S daraus herleitet, dagegen in G eine Aenderung annimmt.