Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Article
- Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 302 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829760-2829765-2884038--31432-2884069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
302 Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden. sehen Colonien in Palästina, deren Bewohn erzähl die der Zeit Zach, übertrifft, einen heutigen Juden, dem Zach. Ideal vorschwebt, befriedigen können. Aus eben dem von Kosters angeführten Vers 8, 7 geht deutlich hervor — was auch schon Sellin bemerkt hat — dass der Prophet nicht bloss die Juden aus dem Korden 10 ,2) "ארץ צפון) sondern auch diejenigen von Osten und Westen herbei wünscht. Diesem Wunsche entspricht vollständig seine Vorstellung (2, 8.), dass Jerusalem so stark bevölkert sein werde, dass es keine Mauer werde umfassen können. Diesen Wunsch führt der Prophet in 2, 12, noch weiter aus, indem er dem Judenthum verspricht, Herrscher ihrer jetzigen Herrn zu werden. Das: ist der einzige unge־ zwungene Gedankengang, den diese Sätze wiedergeben. Was nun den Kosters*sehen Hauptpunkt, nämlich Vers 2, 10, anbetrifft, so begreift man es durchaus nicht, wie Kosters geglaubt haben kann, dass der Prophet den baby- Ionischen Judäern, denen die persische Regierung keine Freiheit gewähren wollte, empfohlen habe, aus Babylon, welches unter persischer Herrschaft stand, zu entfliehen, und in Zion, welches ebenfalls unter derselben Herrschaft staad, Zuflucht zu suchen. Neuntens. Zach. 5, 11. 6, 1—8 sprechen auch gegen die Annahme einer Rückkehr unter Kyros; denn dann wäre der hier geäusserte Groll gegen Babylon ganz unerklärlich. Ferner spricht auch 6, 15 dagegen; denn, wenn viele schon unter Kyros gekommen waren, so brauchte der Prophefc hier nicht zu betonen, dass Leute aus fernem Lande zum Tempelbau kommen werden (Kost, 21). Aber der Hass gegen Babel konnte durch die Befreiung unter der Perserherrschaft nicht nur nicht schwinden, sondern er musste sich, wie psychologisch leicht erklärlich, erst recht steigern. Denn das Licht der persischen Milde musste den Schatten der babylonischen Härte nur noch mehr verdichten. Wären die Exegeten der Kostersschen Ansicht, so hätten sie keinen Tritojesaias anzunehmen sich genöthigt gesehen (Vgl. Kittel und Duhm zu Jes. 56.) Was nun Zach. 6, 15 anbetrifft, so ist der Punkt den Kosters ganz besonders hervorhebt, am allerwenigsten beweiskräftig. Denn der Prophet wollte auch nichts weiter, als angesichts, der eben zum Tempelbau herbeigeeilten Fremden, die auch grosse Spenden mitbrachten, die armen