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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1902) · p. Seite 272

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1902)
Article
David Oppenheim als mährischer Landrabbiner
Date
1902-05-01
Page
Seite 272 (sequence 11)
Language
German
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272 David Oppenheim als mährischer Landrabbiner. > S ■ j am Hannoverschen Hofe erfreuten sich Israeliten bereits j| seit langer Zeit des höchsten Vertrauens, so dass schon zu ** Beginn des 17. Jahrhunderts ein Zeitgenosse laut über die Juden jammerte, die mit Fürsten und Herrn verkehrten und in . Ehrenämtern sässen, trotzdem sie fals'chmünzten, wobei er es allerdings für die weit schlimmeren christlichen Wucherer an scharfen Worten nicht fehlen lasst* 1). Aber trotz aller Vorwürfe, welche die Fürsten besonders von der Geistlichkeit hinnehmen mussten, konnten sie auf die Dauer der jüdischen Dienste nicht entheb״ ren2), und so hatte auch Lefmanu Behrens, der Schwiegervater David Oppenheims, sich zu einer glänzenden Stellung als Kammeragent emporarbeiten können, in welcher er die weitgehendsten Verbindungen mit zahlreichen Fürstenhöfen unterhielt. Wie sehr er vor allem am hannoverschen Hofe geachtet und geschätzt wurde, geht am besten daraus hervor, dass selbst der sonst so kalte, verschlossene und wortarme Kurfürst Georg Ludwig, der seit 1698 die Herrschaft führte und später 1714 als Georg I. den englischen Thron bestieg3), gar nicht genug Worte finden konnte, wenn es galt, seinen ״lieben getreuen Lefmann Behrens“ zu rühmen und ihm seine Gunst zu bezeugen. Wie der Schwiegervater, so ging auch David Oppenheim am kurfürstlichen Hofe aus und ein, und obwohl er nicht landesansässig war, so hatte ihn Georg Ludwig doch unter 9 Havemann, Gesek. d. Lande Braunschweig und Lüneburg, Bd. III (Göttingen 1857), S. 15 führt folgende charakteristischen Aussprüche eines Anonymus an: ״Wenn ein armer beschnittener Jude eine Woche von einem Gulden einen Pfennig nimpt, so schreyet ein jeder mordio darüber; wenn aber ein unbeschnittener Christa rriude eine Woche von einem Gulden einen Groschen nimpt7 da heiss tsnicht mit Judenspiess gelaufen. Denn dreierlei Juden sind es, die Land und Leute erschöpfen: 1) Die Juden, so gelbe Ringe an Röcken und Mänteln tragen und als Feinde Christi jederman verhasst sind: das sind schier die geringsten Wucherer; 2) Juden, so ihre gelben Ringe an den Fingern tragen; das sind die reichen christlichen Wucherer, die jedermann grüsst; 3) die Juden, welche die gute alte Münze aufweehseln, in Tiegel setzen und in lose Münze wandeln und gleichwohl mit Fürsten und Herren verkehren und in Ehrenämtern sitzen.“ Eine treffliche Ergänzung ahnlicher Urteile aus früherar Zeiten, wie sie Glidemann, Gesch. d. Erziehungswesens, II S. 131 ff. u. III. S. 186 ff. zusammengestellt hat! 2) Havemann, a. a. 0., S, 67. 3) Ygl. über ihn Havemann a. a. 0. S. 356 ff, und A. D. B. Bd. VIII, 8. 688 ff.

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