Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- David Oppenheim als mährischer Landrabbiner
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 270 (sequence 9)
- Language
- German
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270 Dayid Oppenheim als mährischer Landrabbiner. So war denn David Oppenheim, wie aas dem ersten Ansturm aut seine Amtsbefugnisse, nunmehr auch aus die sem mit Ehren hervorgegangen. Unerschütterlich fest stand sein Ansehen zunächst bei der weltlichen Regierung, und es hätte gewiss nicht erst der nachträglich eingegangenen Empfehlung?- briefe fremder Herrscher bedurft, um ihm das Wohlwollen des Fürsten Leopold auch fernerhin zu sichern. Den einen dieser Empfehlungsbriefe hatte er seinem ״Mechuttan“ Aron Baer Oppenheim in Frankfurt am Main zu danken, dessen jüngster Sohn M i c h a e 1 soeben, am 9. Septemher 17Q1, der Gatte der zweiten Tochter des mährischen Landrabbiners, Blümle mit Namen, geworden war1). Aron Baer, in engen Geschäftsbeziehungen zu fürstlichen und vornehmen Häusern stehend, war auch Hoffactor oder Resident des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, jenes Jesuitenzöglings, dessen Regier ungszeit (1690—1716) nicht bloss durch die furchtbaren Einfälle der Franzosen, sondern auch durch einen unnachsichtlichen Fanatismus und ein nur auf das eigene Wohlleben bedachtes, rücksichtsloses Hof- und Fürstenregiment traurige Bilder äusserer und innerer Verwüstung aufzuweisen hat, und dessen Name auch in der Geschichte des Judenthums ob der Gönnerschaft, die der Kurfürst seinem Kanzleibeamten Eisenmenger und dessen berüchtigtem Buche ge« währte, nicht mit besonderen Ehren genannt wird2). Natürlieh bediente auch e r sich trotz alledem, wo es sich um die Wiederbesiedelung des verwüsteten Landes oder um seine und seines Hofes persönlichen Interessen handelte, gerne ״der guten und erspriesslichen Dienste“ der Juden, und seine jüdischen Hofagenten, zu denen ausser Aron Baer auch der unter seinen Glaubensgenossen weithin bekannte J u s p a v 0 n G e 1 d e r n in Düsseldorf zählte, erfreuten sich eines Wohlwollens bei ihm, welches er oft genug durch sichtbare Beweise der Huld und Gnade zu bekräftigen wusste3). Gewiss hat David Oppenheim, als er an den ג) Näheres über diese Verbindung bei Löwenstein, S. 550 f. 2) Ueber Johann Wilhelm s. Kleinschmidfc in A. D. B. Bd. XIV; über seine Stellung zur Judenschaft s. Löwenstein, Geseh. d. Juden in der Kurpfalz, Krfrt 1895, S. 111 ff, und im Magazin f. die Wissensch. d. Judent״, Berlin 1891, S. 209 ff., sowie Kaufmann, ״Aus Heinrich Heines Ahnensaal“, Breslau 1896, S. 56 ff. a> Kaufmann, a. a. 0. S. 63 ff.