Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- David Oppenheim als mährischer Landrabbiner
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 265 (sequence 4)
- Language
- German
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David Oppenheim als mährischer Landrabbiner. . 265 Ueberrumpelung, welche um so leichter durchführbar gewesen wäre, als die Belehnung mit dem eigentlichen. Landesrabbinat alle 3 Jahre auf der Synode zu erneuern war. Wenigstens lässt sich ein anderer Grund für das Vorgehen Issachar Baer Frankfurters und für die Empfindlichkeit David Oppenheims kaum ausfindig machen1). Gegen den mächtigen Bundesgenossen, hinter welchen sich sein Rivale verschanzt hatte, rief nun auch David Oppenheim sofort im Namen des ganzen Nikolsburger Deputats die Bei־־ hülfe seines Schutzherrn, des Fürsten Ferdinand Josef von Dietrichstein, an, welchem seit dem Tode seines Vaters Maximilian, des Neffen und Erbfolgers des bekannten Cardinais Franz von Dietrichstei.n, die prächtige und reiche Freiherrschaft Nikolsburg unterthan war2), und erbat sich der geplanten Zurücksetzung gegenüber dessen Rat und Beistand. Es ist bezeichnend für die. Stellung, welche David Oppenheim sich während , seines verhältnismässig kurzen Wirkens in Nikolsbürg bereits erobert hatte, dass der Fürst thatsäcblich mit dem. Bischof in Wien Rücksprache nahm, die Verlegung der Synodalversammlung von Kremsier nach Butschowitz durchsetzte und in freundlichen Worten seinem ״lieben Rabbiner“־ den guten Rat erteilte, sich dieser Anordnung zu fügen, damit die Judenschaft sich nicht für andere, wichtigere Fälle die Gunst des Bischofs verscherze. Selbstverständlich beeilte sich der Landrabbiner, seinem Herrn zu versichern, dass e r sowohl, wie die beiden anderen, als Landesälteste und Landeseinnehmer deputirten Mitglieder der Nikolsburger Gemeinde völlig mit dem gemachten Vorschlage einverstanden seien. Die in dieser Angelegenheit geführte Correspondenz umfasst folgende drei Schriftstücke : ג) Obige Darstellung dürfte wohl von diesen neuen Gesichtspunkten aus manches Dunkel erhellen, das z. Z't. noch über der Geschichte des Landesrabbinats zu ]Kremsier und über der Lebensgeschichte Issachar Baer Frankfurters lagert; vgl. darüber Frankl-Grün I, S. 81 u. III, S. 4 ff. S. 10. Anm. 2) lieber die Fürsten von Dietrichstein zu Nikolsburg s. besonders Ersch u. Gruber, Sect I, Bd. XXV, S. 156 ff. Ferdinand Josef war von 1655 bis zu seinem Tode am 28. November 1698 [nicht 1690, wie bei Ersch u. Gruber, S. 160, irrtümlich steht] Herr von Nikolsburg und seit 1682 Obirathofmeister des Kaisers, sowie Geheimer Conferenzminister. 1