Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 228 (sequence 23)
- Language
- German
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228 Die ■Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden. enthalten. Was die übrigen Stellen betrifft, so hätte doch Kosters nicht übersehen dürfen, dass der Prophet hier nicht bloss das Reich Juda sondern auch das Reich Israel nachdrücklich betont (Zach. 2, 2), welches nach II. Sam. 24, 9 aus mehreren Millionen Menschen bestand. Wie gross Judäa war, steht zwar nicht fest, aber es genügt zu wissen, dass noch im 14. Regierungsjahr des Hiskia, also 10 Jahre nach der Verbannung des Zehnstämmeiireiches, Sanherib aus der Provinz .Judäa, aus 46 befestigten Städten/ ausser Jerusalem, über 200000 Menschen hinweggeführt hat (Vrgl. Prisma III, 11), und nun sollen die ungefähr 40000, nach den Einzelposten ca. 30000, Zurückgekehrten den Propheten für die ganze Vergangenheit Israels entschädigt haben, so dass er gar nichts mehr zu klagen gehabt hattet Kosters meint ferner: ״Wenn vor Zach, eine Rückkehr stattgefunden hätte, so würde Zach, nicht verfehlt haben gleich Esra 9, 8. neben der Strafe Gottes auch seines Erbarmens zu gedenken“. (Kost. 20). Aber abgesehen davon, dass es ein Unding ist, zu fragen, warum der eine Mensch nicht so wie der andere gesprochen habe, müssen auch noch folgende Momente in Betracht gezogen werden. Erstens finden sich auch bei Hag. und Zach, viele indirecte Anspielungen über die Zurückgek ehrten (vrgl. Sellin, Stud., II, 1901, 56, 71, 95, 104). Zweitens ist Esra 9 ein Gebet, in welches Danksagungen seinem Charakter nach hineingehören (vrgl. Kosters Kritik zum 9. Cap. Neh.), Zach, hingegen verkündet lediglich prophetische Erscheinungen, in denen nach" der Schilderung , der traurigen Verhältnisse der Gegenwart Trost für die Zukunft gespendet wird. Drittens hat Esra, vom Exile kommend, die physischen Verhältnisse in Jerusalem doch ziemlich befriedigend vörgefunden. Der Tempel stand fertig da, Stadt und Umgebung waren gewissermassen bevölkert. Er selbst hat diese durch seine Expedition ansehnlich verstärkt. Auch war Esra mit einem königlichen■ Ferman ausgerüstet, der ihn bevollmächtigte. zur Förderung sammtlicher Institutionen alles Mögliche anzuwenden. Von all dem Guten war bei Zach, noch keine Spur zu finden. Die Colonisten gingen vor Elend und Hunger völlig zugrunde; vom Tempelbau wollte man nichts wissen. Alles drohte unterzugehen. Welche Ursache hatte also der Prophet^der Rückkehr dankend zu gedenken? Nach Kosters müsste man es ebenso als auffallend