Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Studien über die Beschneidung
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 193 (sequence 1)
- Language
- German
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Studien über die $eschneidung. Von Dr. med. S. N. Kutna. (Schluss.*) IY. In den beiden vorangehenden Abhandlungen ist der Versuch unternommen ־worden, den Ursprung und die Bedeutung der Beschneidung im Allgemeinen sowohl, als auch besonders bei den Israeliten zu erörtern. Als Ergebniss haben sich bisher folgende Sätze feststellen lassen : 1) Die Beschneidung ist bei den Naturvölkern aus Gründen der Zweckmässigkeit entstanden und eingeführt worden. Sie ist ausschliesslich bei Völkern der heissen Zone ursprünglich, bei welchen die eigentümliche Beschaffenheit der Vorhaut zu lästigen Beschwerden sowohl bei der Harnentleerung als auch bei der Function der Begattung Voranlassung gab. Sie ist nicht das Product einer hohen Culturstufe, sondern das Dictat eines Naturtriebes. Darum haben sie auch viele Naturvölker selbständig und unabhängig von einander erfunden. 2) Die mosaische Gesetzgebung geht von der Voraussetzung aus, dass das Bestehen des monotheistischen Judenthums von der Annahme der B. abhängig ist, dass die Entstehung des Judenthums überhaupt der B. zu verdanken ist. Denn erst der beschnittene Abraham konnte mit seiner Gattin Sarah einen Isaak zeugen. Der Bundesvertrag, welcher für Abraham die Verheissung reichlichen Samens und für diese Nachkommenschaft die Verheissung vom ewigen Besitz des gelobten Landes enthält, der Bund, dessen Zweck und Hauptbedingung in der vollen Anerkennung des^einzigen, ewigen Gottes besteht, ist an die Beschneidung geknüpft, welche als physische Vorbedingung der Entstehung Israels nicht nur ein äusserliches Symbol dieses Bündnisses sondern einen integrirenden Bestandtheil desselben bildet. *) Siehe Monatsschrift; für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, 45. Jahrgang, S. 353 ff. 433 ff. Monatsschrift, 46. Jahrgang. 13