Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 119 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Vorlesungen Harnaeks über das Wesen des Christenthums. 119 Die Vorlesungen tfD. jCarnacks über Das Viesen Des Christenthums). Besprochen von Dr. Jos. Eschelbacher, Ueber Judenthum und jüdische Religion hören wir sehr häufig Urtheile von Christen, über Christenthum und christliche Religion von Juden, und insbesondere von jüdisehen Theologen, sehr selten. Der Gründe sind mancherlei: Das Christenfchum ist selbst ein Stück Judenthum und aus ihm hervorgegangen. Den grössten Theil seiner heiligen Schriften bilden echt jüdische, die des sogenannten Alten Testaments, und auch die ihm eigenartigen Schriften des Neuen Testaments beschäftigen sicht vielfach mit Deutungen und Erklärungen des Alten Testaments. Daraus ergab und ergibt sich für die christlichen Theologen stets die Noth- Wendigkeit, das Neue als das Bessere und Höhere, das Alte als das Niedrigere, Unvollkommnere darzustellen. Das Christenthum erkannte ferner in dem Judenthum und in dessen weiterem Bestände einen entschiedenen Widerspruch gegen seine wichtigsten Grundlehren und Anschauungen, und daraus ergab sich eine gegensätzliche und vielfach feindselige Stellung ihm und seinen Anhängern gegenüber. Das Judentbum bat zu einer ähnlichen Stellungnahme dem Christenthum gegenüber keinerlei Veranlassung. Es hat sich bis auf die neueste Zeit geistig von ihm durchaus unabhängig erhalten und erkennt andererseits seinen Werth und seine Bedeutung* als Weltreligion willig an. Es hat sich seinen Angriffen gegenüber stets auf die Abwehr beschränkt und konnte das auch innerhalb seines eigenen Kreises ruhig thun, weil die Glaubensunterschiede, selbst *J Harnaeks Vorlesungen haben zwar bereits im vorigen Jabrg. der MS. (S. 97 — 180) durch Herrn Rabbiner Dr. B ä c k eine eingehende Besprechung, die sich namentlich auf die Art seiner Benützung jüdischer Quellen und auf seine Urtheile über das Judenthum bezog, gef unden. Aber das Buch ist eine so hervorragende Zeiterscheinung, dass eine weitere eingehende Kritik seiner Darlegungen, und zwar besonders seiner p 6 sitiven Auf Stellungen und seiner Anschauungen über das Christenthum, angemessen . erscheint. Eine Beleuchtung derselben vom Standpunkte der jüdischen Wissenschaft aus, wird daher auch nach jener Abhandlung Bäck’s, so wie nach den seither erschienenen Schriften von׳ Schreiner (Die jüngsten' Urtheile über das Judenthum) und E. Perles (Was wir von Harnack lernen.’ können)* den Lesern der MS. gewiss willkommen sein. D. Red.