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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 5 · p. Seite 570

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1901-01-01
Page
Seite 570 (sequence 2)
Language
German
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570 Besprechungen. geradezu Staunen, sowohl wegen der Fülle des zusammengetragenen Stoffes, als auch wegen der ungemein vielen neuen Aufschlüsse, die es enthält, und man weiss nicht, was man am Verfasser mehr bewundern *oll: die ungewöhnliche Prodüctivität, das vielseitige Wissen oder die scharfsinnige Combinationsgabe. Hier will ich nun den Hauptinhalt der neuesten Schrift König’s darlegen, ohne mich in eine Prüfung der gewonnenen Besultate einzulassen. Der Verfasser verbreitet sich zuerst (p. 2—20) über das Wesen der Sprache und schließ st sich denjenigen an, welche die Sprache als ״eine unbewusste Gesammtwirkung der specifischen körperlich-geistigen Veranlagung des Menschen Wesens“ definiren. Dabei hat die Sprache ohne des Menschen explicirtes Bewusstsein und jedenfalls ohne seine reflectirte Absicht das Licht der Welt erblickt und viele Stadien ihrer Existenz durchschritten. Beweis hierfür ist das Weiterschreiten der Volksdialecte. Es entsteht nun die Frage, oh ©ine Sprache von Vollklang und Beinheit an Lauten zu deren Dürftigkeit und Getrübtheit, von Bei eh tum an organischen Formen zur Gleichgiltigkeit gegen dieselben fortschreitet, oder umgekehrt? An der Hand solcher Sprachen, deren Erscheinungen ohne Zweifel in geschichtlicher Aufeinanderfolge stehen, also durch Vergleichung des Alt- und Neugriechischen, des Lateinischen mit dem. Italienischen und Französischen, des Alt־ Mittel- und Neuhochdeutschen, zeigt der Verf., dass sich überall eine Erleichterung der Konsonanten, eine Monophthongisirung der Doppelvocale, eine Verkürzung und Vernaehlässigung von Consonanten am Wortende und vieles Aehnliche heobaehten lässt. Dieselben Erscheinungen lassen sich nach dem Verf. (p. 20—34) auch hei Vergleichung solcher semitischen Sprachen wahrnehmen, deren Existenz auf einander folgenden Zeiten angehört. Also durch Vergleichung des Alt- und .Neuarabischen, des Aethiopischen und seiner Fortsetzungen (Tigre, Tigrina, Amharisch usw.), des Alt- und Neusyrischen, des alttestamentlichen und späteren Hebräisch (und ebenso des Phönicischen und der Sprache der jüngeren afrikanischen Inschriften). Ueberall lässt sich da beobachten : Vereinfachung der schwierigen Kehlartikulationen zum blossen Spiritus lenis (so besonders in jüngeren aramäischen Dialecten); Erleichterung von u-w zu i-j; Erweichung von Konsonanten (besonders im Amharischen); Erhöhung des reinen a zu ae oder gar zu i; Monophthongisirung der Doppelvocale ai und au (so z. B. im Neuarabischen und besonders im Neusyrischen); Vernachlässigung auslautender Vocale; Zurücktreten des Duals und der Modi in der Verbalflexion sowie desselben Duals und der Kasusendungen in der Nominalflexion usw. Es ist also ein neuer Gesichtspunkt gewonnen, von dem aus das relative Alter sich entwickelnder semitischer Sprachen sich wahrnehmen lässt und es entsteht die Frage, •ob auch bei Vergleichung altsemitischer Sprachen derselbe Gesichtspunkt massgebend sein kann? Der Verf. geht (p. 34—57) die einzelnen dieser Sprachen, also: Arabisch, Aethiopisch, Assyrisch-Babylonisch, Hebräisch und Aramäisch durch, und kommt zum Schluss, dass das Altarabische in Laut- und Formbestand solche Züge aufweist, dass es als die relativ unversehrteste Ausprägung des älteren 3e- Formenlehre (ib. 1895; XIV u. 602 SS.); Zweite Hälft© 2. Theil: Historisch-eomparative Syntax der hebräischen Sprache (ib. 1897; IX u. 721 SS.). — Ich gedenke demnächst in einer besonderen Studie die Coustruction dieses Gebäudes und die vielen neuen Gesichtspunkte und Besultate, die es enthält, darzustellen.

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