Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Memorbuch in Buttenwiesen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 543 (sequence 4)
- Language
- German
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Das Memorbuch in Bnttenwiesen. 543 Tochter des bekannten Begründers der Fürther Buchdmckerei Salman Schneior und Gattin Elia ,Oettinges und endlich ein Gebet für den gelehrten Yorbeter Mose Lob, der lange Zeit an der Synagoge Model Ansbachs, der zuletzt zwanzig Jahre lang in Neuburg im Amte1) gewesen war. Auf S. 6 a steht dann das übliche Gebet (סי שברך) für die Gemeinde. Von besonderem Interesse aber ist (fol 6 b) das darauffolgende Gebet für den Landesfürsteo, da wir dadurch eine feste Unterlage zur Bestimmung der Zeit, um welche unser MB. entstanden ist, erhalten. Das Gebet הנותן תשועה — irn bekannten Wortlaute — nennt uns den Kurfürsten Karl Philipp, Pfalzgraf bei Rhein, (הקורפירשט קארל פיליף פפלץ גראף בייא ריין), der im Jahre 1716 seine Regierung antrat und am 23. December 1742 gestorben ist. Er stand im Rufe eines gerechten Fürsten2). Nichtsdestoweniger befahl er ein Jahr vor seinem Tode den Juden, die ihm stets widerwärtig waren, Pfalz-Neuburg zu verlassen3). Unmittelbar auf das Gebet für den Landesfürsten folgt (S, 7 a) ein anderes, das vermuthlich früher jeden Sabbath verlesen wurde, uod besondere Aufmerksamkeit verdient. Es heisst darin: מי שברך אבותינו . . . הוא יברך את אדונינו יזמרומם והקצין הטפסיר (!) והנגיד ושתדלן הגדול החבר רבי אהרן בן הששכר י אפנהיים מק׳יק פראנקפורט אותו את אשתו ואת זרעו ואת זרע רעו ואת׳'כל אשר לו [ואת4) החבר רבי אשר ב״ר משה מק׳יק מאנהיים] 402 f, und über Elia, den Solm Marx. Models, Kaufmann in der Monatsschritt Jahrg. 42, S. 562. 0 Die Eintragung ist bereits wörtlich mitgethellt von Kaufmann a. a. 0. S. 56S, Aura. 2. 2) Besonders wird ihm nachgerühmt, dass er Bibliotheken und Münzkabinete für das Land erworben habe. Vom Jahre 17SO an residirte er in. Mannheim, wo er sieh 1720 ein neues Schloss erbaute. Unsere Quelle weiss beiläufig zu berichten, dass er das grosse Heidelberger Fass, welches schadhaft geworden war, ausbessern liess. Sein Vorgänger Johann Wilhelm (1690—1716), der ebenfalls als ״äusserst human“ gepriesen wird, erliess am 6. Februar 1712 in Neuburg ein gedrucktes Patent, durch welches die Zigeuner für vogelfrei erklärt wurden. Jedermann sollte danach befugt sein, sie, wenn sie sich acht Tage nach Verkündigung des Patentes im Herzogthum Neuburg sehen Hessen, totzuschiessen. (Finnweg, Gesch. d. Herz. Neuburg, S. 307). Dieses Deeret ist geeignet, einigermassen zu illustrieren, was alles man in jenen Tagen für wohl vereinbar mit weitgehender Humanität gehalten hat. 3) Förch, Gesch. Neuburgs und seiner Fürsten, S. 125. 4) Der in [ ] gesetzte Vermerk betreffs B». Ascher b. Moscheh ist von anderer Hand nachträglich eingeschaltet. .