Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Losen im Tempel zu Jerusalem
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 5)
- Language
- German
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296 Das Losen (פייס) im Tempel zu Jerusalem. Um so unbegreiflicher ist es, wenn Graetz1) und nacli ihm auch Ad. Büchler2) auf Grund dieser Mischna und Baraitha die Verlosung der Beschäftigungen beim Cultus überhaupt. erst in der letzten Zeit des Tempelbestandes eingeführt ־wissen wollen3). Ja noch mehr, diese Quellen dienen ihnen sogar als Beweise dafür, dass die gesammte in Tamid überlieferte Tcmpelordnung aus jener Zeit erst, nämlich aus der Zeit R. Zadoks, stamme. Allein der Grund dieser ihrer irrthümlichen Auffassung der in der Mischna u. Bar. erhaltenen Berichte liegt zumeist darin, dass sie die Erklärungen derselben, wie sie uns in der Gemara gegeben sind, und auf die wir bereits hingewiesen haben4), ganz ausser Acht Hessen; dadurch sind ihnen aber auch Angaben entgangen, auf welche die Gemara ebenfalls hinweist, und die für unsere Sache von hoher Wichtigkeit sind: In bab. Joma 14b wird im Warnen von R. Huna mitgetheilt, dass R. Simon aus Mazpah die Mischna Tamid tradierte: אמר רב הונא.מאן תנא תמיד רבי שמעון איש המצפה הוא. Auf den Einwand hin, dass ein in einer Baraitha erhaltener Ausspruch dieses R. Simon einer Mischna in Tarnid widerspreche, wird im Namen von R. Jochanan erwidert, dass wohl Joma von R. Simon a. M. tradiert wurde. Dagegen wird wiederum in jerus. Joma (II. 3) S. S9d im Namen von R. Jochanan R. Simon aus Mazpah als Tradeut von Tamid bezeichnet: א״ר יוחנן תמיד דר״ש איש המצפה היא. Dabei ist nun wohl zu beachten, dass in den Stellen, als deren Tradeut R. Simon bezeichnet wird, von durch das Los vertheilten priösterlichen Functionen gesprochen wird. Wir besitzen demnach in diesem R. S i m 0 n einen Ge- *) Monatsschrift 1878, S. 220. 2) Zur Geschichte des Tempeleultus in Jerusalem (erschienen in »Festschrift zu Ehren Prof. Chwolson’s«, Berlin 1899) S. 4 ff. 3) Während Graetz seine Behauptung aufstellt, indem er auf die Quellen kurz hinweist, geht Biichler auf dieselben näher ein und ist überhaupt viel ausführlicher. Trotzdem bietet er uns dort — soweit seine Ausführungen uns hier interessieren — nichts, das seine Ansicht erhärten würde; denn seine an’s Unmögliche grenzende Combination, dass der in der Baraitha mitgetheilte Vorfall sich im Jahre 45 zugetragen haben dürfte (a. a. 0. S. 5), kann ebenso wenig auf historischen Werth Anspruch erheben, wie seine Vermuthungen über den die Ver- Losung überwachenden Pharisäer (das. 8. 7) oder den der Zeit nach ersten Leiter der Verlosungen Mathia ben Samuel (Seheh, V, 1), die seihst des Schattens eines Beweises entbehren. 4) *Vgl. oben S. 294 f.