Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zacharias!Frankel. 227 Zacharias frankel Ton Dr. Jos. Eschelbacher. In dem Vierteljahrhundert, das seit dem Tode Zacharias Frankels (13. Februar 1875) verflossen ist, hat sich das Ehrfurcht gebietende Bild des greisen Meisters, der bis an sein Lebensende die Schaffenskraft und Hoffnungsfreudigkeit eines Jünglings besass, in allen Herzen nur noch befestigt. Und wer heute, da ein Jahrhundert seit seiner Geburt verflossen ist, und da wir ihn im abgeschlossenen Rahmen seiner Zeit betrachten können, sein Leben und seine Werke überschaut, der wird zu dem Schlüsse kommen müssen, dass er eine der bedeutsamsten Erscheinungen in der jüdischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts gewesen ist, und dass seine Wirksamkeit eine fortdauernde und voraussichtlich noch weitere Geschlechter beeinflussende bleiben wird. In Prag, am Abend oder in der Nacht nach dem Simchath- Thorafeste 5562 (30. September 1801) geboren, lernte er noch das altjüdische, von fremden Einflüssen wenig berührte Leben einer der grössten und ehrwürdigsten Gemeinden kennen und wuchs auf in der Athmosphäre eifrigen Talmudstudiums, welches eine stattliche Reihe von grossen Meistern seit einer Anzahl von Geschlechtern in dieser Stadt heimisch gemacht hatte. Als Jüngling erwarb er sich durch regelmässige Gymnasial- und UniversitätsStudien ein allgemeines Wissen, insbesondere in den klassischen Litteraturen. Die umfassenden Kenntnisse und die Reife des Urtheils, die er sich durch weiteres unermüdliches Studium errang, bildeten sodann die sichere Grundlage seiner Wirksamkeit. Der Beginn derselben, in den dreissiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, fiel in eine Zeit stürmisehen Gährens und Drängens im Judenthume. Das eingezogene Stilleben, das diejudenheit in den letzten drei Jahrhunderten, wenig berührt vonden neuen Ideen, welche die Denk- und Anschauungsweise Europa's von Grund aus veränderten, geführt hatte, hatte bereits durch die Bewegung, die sich an das Auftreten Mendelsso hff s anschloss, eine tiefgehende Erschütterung erlitten. Inzwischen war ein neues Geschlecht herangewachsen, das, bereits in den modernen Ideen erzogen, sich in heftigem Kampfe gegen 15*