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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 3 · p. Seite 223

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 3
Article
Prager Notizen zur Biographie Zacharias Frankels
Date
1901-01-01
Page
Seite 223 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Prager Notizen zur Biographie Zacharias Frankels. 223 IV. Das Jahr 1832, in welchem Z. Frankel das Amt eines Leitmeritzer Kreibrabbiners in Teplitz antrat, sah in Prag״ den ״Verein für geregelten Gottesdienst״ entstehen, der in seinen ersten Jahren ein wenig rühme ns wer thes Dasein fristete. Das damalige ßeformjudenthum Deutschlands konnte bei einer Uebersetzung in das Mettermch-Oesfcerreichische nur dann gewinnen, wenn ein Mann (wie Mannheimer in Wien) die Leitung und Richtung in die Hände genommen hätte, ein Mann, dessen oberster Grundsatz wie der Mannheimers war : מדבר שקר תרחק. In Prag musste zur Schaffung eines Terrains für eine polizeilich-genehmigte von den ״Oberjuristen“ censurierte Reform mancher Kniff und manche Gewaltthat angewendet werden, zu welchen wohl einige Herren den Muth gehabt hätten, wenn die Frucht ihnen zu gute gekommen wäre, die aber den trägen und schläfrigen Gang des Werkes nicht beschleunigen wollten, weil die Macht in indifferenten und dem Judenthum entfremdeten Händen lag. Die Altsynagoge, ״Altschul“, die zum künftigen Tempel ausersehen war, wurde zum Theile durch polizeiliche Hilfe den alten Standbesitzern, die ihr Eigenthum von den Voreltern ererbt hatten und in den Grundbüchern als Besitzer eingetragen waren, mit sanfter Gewalt gegen Sitze in anderen Synagogen abgenommen. Der trostlose Wirrwarr, der in dieser Angelegenheit 1832—35 herrschte, ist in wenig rühmenswerther aber traurig wahrer Weise aus dem Aufsatze ״Aus dem Leben Leopold Zunz's“ von S. Maybaum, Berlin 1894, zu ersehen. Damals dachte man an die Berufung Frankels zur Schaffung der neuen Tempelordnung, während Männer, die für sich selbst nichts mehr erhofften, Zunz zur Annahme des Predigeramtes in dem erst entstehenden Tempel herbei״ schleppten, der weder den wirren Verhältnissen gewachsen war, noch damals das ruhige und abgeklärte Wesen besass, um andere mit sicherer Hand zu sammeln und zu führen. Weder der Bann noch die Wuth der ״Oberjuristen״ hätte gegen Frankels felsenfesten und kristallklaren Charakter etwas vermocht, namentlich da Frankels wahre Frömmigkeit, dessen allseitige, auch talmudische Gelehrsamkeit und ge diegene homiletische Leistungsfähigkeit ihn gegen jeden Angriff gesichert hätte.

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