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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 3 · p. Seite 215

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 3
Article
Prager Notizen zur Biographie Zacharias Frankels
Date
1901-01-01
Page
Seite 215 (sequence 3)
Language
German
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Prager Notizen zur Biographie Zacharias Frankels- 215 und portugiesischen Juden, an, und big auf den heutigen Tag haben sich im ״Tempel“ trotz der dort in den Dreissigerjafaren eingeführten Orgel und Reform einige ״sephardische Minhagim“ erhalten. Die Altschul lag auch ausserhalb der früher bestandenen Thore der Judenstadt, von dieser durch die Geistkirche, den Kirchhof zum h. Geiste und eine Gasse getrennt. In dem Umstande, dass die Altschul nicht in der Judenstadt, sondern in der Altstadt lag, die den Juden als Wohnsitz verschlossen war und nur in den wenig zahlreichen Häusern ״vor der Altschul“ Juden beherbergte, wollte übrigens der verstorbene Regierungsratli Prof. Kaempf, Prediger an der Tempelgemeinde, einen Beweis dafür erblicken, dass der Name ״Altschul“ eine Abkürzung yon ״Altstadtschul“ sei. Thatsache ist, dass die Häuser ״vor der Altschul“ als ein Aristokraten'yiertel der Judenstadt angesehen wurden, und dass die Bewohner desselben sich sogar neben ihrem Namen stolz das ״ Adels “prädicat Ältschul, Altschüler oder Asch, bw א״ש—אלט, beilegten, Namen, die noch heute unter den Juden Böhmens, Mährens und Schlesiens sehr verbreitet sind. Im Hause 156 ״vor der Altschul“ wurde also am 30. September dem Koppeimann oder Koppel Frankel von seiner Ehefrau Esther, Tochter des Löb Eischel, oder, wie der Volksmund sagte: Fiscliels, ein Sohn, Zacharias, geboren. Auf Mutter und Grossvater mütterlicherseits kommen wir noch zurück. Koppel Fra e n k e 1 s nannte man den Vater Zacharias in Uebereinstimmung mit der alten Schreib־• weise der Familien. Warum Bermann Frankel, der Vater Koppels, bei dei officiellen Fixierung der Judennamen unter Kaiser Josef II. (1786) die Schreibweise Frankel annahm, weiss ich nicht. Der nach damaliger Sitte, mehr der Gelehrsamkeit und seinen Ehrenämtern, die ihm zahlreich in der jüdischen Gemeinde anvertraut waren, als seinem Geschäfte lebende Koppel Frankel betrieb in älterer Zeit, so weit ihm seine frommen Beschäftigungen Zeit dazu Hessen, den Wollhandel. Seine Frau Esther hatte im sogenannten Tandelmarkte in den Gallerien des ersten Stock- Werkes ein ״Tüchelgeschäft“, d. h. sie ״verkaufte seidene, wollene nni baumwollene Tücher, wie sie damals ausschliesslich die Kopfbedeckung der weiblichen Landbevölkerung in Böhmen bildeten und den Verkäufern einen becleut enden Gewinn ab warfen.

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