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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1901-01-01 · Heft 2 · p. Seite 179

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
45 (1901)
Issue
Heft 2
Article
Ein Aktenstück zur Geschichte der Juden in Hildesheim aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts
Date
1901-01-01
Page
Seite 179 (sequence 1)
Language
German
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Ein Aktenstück zur Geschichte der Juden in Hildesheim.!79 £in Aktenstück zur Geschichte der Juden in Büdesheim aus dem Anfänge des 18. Jahrhunderts. Von Dr. Lewinsky. In den ״Denkwürdigkeiten der Synagoge von Aasseeu (Megillath Sedarim)1) berichtet Abraham b. Mordechai, dass im Jahre 5508 (= 1748) die feierliche Ueberführung einer von einem frommen Ehepaare jener mährischen Gemeinde, von Josua b. Zebi Hirsch und seiner Frau Esther, gespendeten Thorarolle in die dortige Betstätte bei der fanatischen Geistlichkeit des Ortes Aastoss erregte und beinahe eine Bestrafung der Gemeinde veranlasst hätte, da der Clerus in jenem religiösen. Akte eine Nachäffung einer christlichen Procession erblickte. Bereits vierzig Jahre vorher hatte sich in Hildesheim der gleiche Vorgang abgespielt, der einen Beweis für die ״religiöse Bedrückung“1) liefert, welcher die Juden dieser Bischofstadt vor fast zwei Jahrhunderten ausgesetzt waren. Ein verdienstvolles Mitglied der Hildesheimer Gemeinde Moses Goldschmidt, batte 1707 ״zur Ehre Gottes ein Neues Zehn Gebot“ (d. i. eine Thorarolle) für das Gotteshaus gespendet und die Weihegabe aus seiner in der Nähe des Tempels gelegenen Wohnung in festlichem Aufzuge unter einem Baldachin mit brennenden Lichtern und mit Musik« begleitung zur Synagoge bringen lassen. ״Von dieser dem Gesetze Mosis erwiesenen äusseren Hochschätzung, war“, berichtet Bertram2), ״das Hildesheimer Domcapitel wenig erbaut und nahm die Judenschaft wegen der Nachäffung der Prohnleichnamsprocession in 100 Goldgulden Strafe“3). Auch der Rath der Stadt Hildesheim ״hatte ess sehr übell auffgenommen“, dass jener Aufzug zugleich ohne bei ihm vorangegangene Anmeldung erfolgt war und drohte dem Spender der Thorarolle eine Bestrafung an. Moses Goldschmidt richtete deshalb am 8. Juli desselben Jahres folgende ״Bittschrift“4) an den Magistrat: Hoch- und WollEdle, Hoch- und Wollweisse Hoch- und Wollgelahrte, WollEhren veste Grossachtbahre Insonders Grossgünstige HochgeEhrte Herren. *) Herausgegeb. von Em. Baumgarten (Verlag des ,Vereins M’kize Nirdamim), Berlin, 1S95, S. 37 ff. Vgl. noch ibid. S. 45. ף Bertram, Die Bischöfe von Hildesheim, 189-6, S. 209. 2) A. a. O. Esjst daselbst statt 1709״“ die Jahreszahl 1707״“zu setzen. 3) A. a. O., Anmk. .7, wird auf das Domcapitularisehe Protocoll vom 10. Juni 1707 hingewiesen. 4) Archiv der Stadt Hildesheim, Abt. LXXX1V, Nr. 37, Acta betr. Bittschrift des Schutzjuden Moses Goldschmidt wegen Verehrung neuer Zehn Gebote in die Synagoge. 1707. 12

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