Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Miscellen über Saadja
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 401 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Miscellen über Sa-adja. 401 Buche Daniel eine Endzeit ihrer Leiden zu finden bestrebt waren, und dass sie aus den verschiedenen Andeutungen das Jahr der Erlösung, d. h. die Ankunft des Messias, zu berechnen suchten. Diese Berechnung beginnt schon zur Zeit des zweiten Tempels, wird in der TraditionsLitteratur fortgesetzt, und obwohl andererseits ein Fluch auf diejenigen ausgesprochen wird, welche die Zeit der Erlösung festzustel’len bemüht sind 1)1 so hörte sie doch nicht auf, die grössten Geister des Juden־־ thums zu beschäftigen. Sogar Maimonides, der doch allen derartigen Dingen durchaus abhold war, und der es ausdrüclüich verpönt, das Erlösungsjahr m berechnen, indem er sich auf Dan. 12,4 beruft, auch er kann nicht umhin, wenigstens einen Termin anzugeben, zu dem die Prophetie in Israel wieder heimisch sein wird. Er beruft sich dabei auf eine Tradition, die sich in seiner Familie seit der Zerstörung des zweiten Tempels von Vater zu Sohn fortgeerbt hat2). Auch Saadja hat eine Berechnung des Erlösungsjahres nach den Angaben des Buches Daniel angestellt und that es, wie Maimonides zu seiner Entschuldigung annimmt, zu dem Zwrecke, um die Trostbedürftigen seiner Zeit in ihrem Glauben zu stärken3). Es war dies bekanntlich eine Zeit religiöser Wirren und beständiger Kämpfe. Zahlreiche Sekten, die karäische voran, hörten nicht auf, den Boden des traditionellen Judenthums zu unter wühlen, allerlei Aberglauben und ketzerische Ansichten fanden Eintritt, die Macht des Gaonats neigte sich längst dem Untergange zu, und so glaubte Saadja auf die zukünftige Erlösung nicht nur hinweisen, sondern auch einen Termin für sie bestimmen zu müssen. Wie sehr ihm daran gelegen war, erhellt aus der Angabe Abraham b. Chijja’s, dass Saadja diese Berechnung in mehreren seiner Schriften angestellt hat: im Oomm. zu Daniel, in d. Emunoth h So z. B. Sanhedrin 97b: תיפח עצמן של מחשבי, קיצץ; vgl. dagegen Abiabanel, מעיני הישועה I, 2 (ed. Stettin 1860, fol. 6d). S. auch Asaria de Rossi, אמרי בינה, C. 43. 2) אגרת תימן, cd. Holub, p. 45. Zwar nimmt Kaufmann (REJ 24, 112) an, da,ss diese Stelle eine Interpolation sei, und ihm stimmt auch Isr. Levi bei (ib. 33, 144), doch hat Bacher (ib. 34, 101) die Grandlosigkeit dieser Annahme zur Genüge naclige wiesen. Ygl. auch de Rossi, 1. c. 3) Ibid., p. 39. Ygl. auch die von Harkavy (Studien u. Mittheilungen Y, 143 n. 6) angeführte Stelle aus Jedaja Bodarschi. Monatsschrift, 44. Jahrgang. 26