Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 385 (sequence 1)
- Language
- German
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Die rituellen Reinheitsgesetze ln der Bibel und im Talmud. V0I1 Dr. med. L. Katzenelson. III. Die culturhistorische Bedeutung der Reinheitsgesetze. (Forts, von Jahrg. 43, S. 210). Es dürfte hier am Platze sein, auf einen interessanten Zug der jüdischen Religion hinzuweisen, welcher, gleichwie der Monotheismus, letztere von allen anderen Religionen der alten Welt wesentlich unterscheidet und welchem bisher, soviel wir wissen, seitens der Forscher nicht die rechte Würdigung zu Tlieil geworden ist. Wir sprechen nämlich von der Rolle des menschlichen Wortes als einer objectiven Erscheinung. Zwar legt auch das mosaische Gesetz dem menschlichen Worte eine hohe Bedeutung bei, aber diese ist eine rein ethische. Der Mensch soll seinem Worte treu bleiben, soll seiner Lippen Ausspruch erfüllen und das einmal geleistete Versprechen streng einhalten, aber in allen diesen Fällen wird dem Worte nur subjective Kraft beigelegt, es bindet denjenigen, der es ausgesprochen hat, aber nur diesen und keinen andern. Eine ganz andere Bedeutung besass das Wort in allen übrigen Reli- •gionen des Alterthums. Dort gilt es als eine gewaltige objective Macht, als ein eben solches Agens wie Feuer, Wasser, Wind und andere Elementarkräfte. Eine gewisse Gebets- oder Beschwörungsformel, in einer bestimmten Anzahl von Recitationen hergesagt, vermag eine Perturbation im Kosmos zu erzeugen, sie ist stärker als die Natur, mächtiger als die Monatsschrift, 44. Jahrgang•. 25