Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Brief Tiedge's an David Friedlaender
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 3)
- Language
- German
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Ein Brief Tiedge’s an David Friedlaender. 334 Ende dieses einst so blühenden und stolzen Freistaats gesehen/' Die nun folgende ausführliche Beschreibung Venedigs kann liier übergangen werden, und folge hier nur noch der Schluss des Briefes: ״Nur noch ein Wort. Die Elegie an Zion werde ich in den Merkur geben. Sie verdient sehr, sehr die Aufbewahrung in dem gelesensten Journal. Die Elegie von Engels Bruder steht längst in der Erholung vom Jahre 1808. Adieu, mein guter, lieber Friedlaender. Ihrer würdigen Gattin, der Mad. Levi u. dem ganzen mir unvergesslichen Freitagskreis1) sagen Sie herzliches Wort der Freundschaft von mir. Auch Frau von der Becke trägt an Sie, an M. M. Levi und Herz2) viel Freundschaftliches auf. Ihrem holden Enkel tausend Küsse. Tiedge.“ Die Gefühle der Verehrung für Mendelssohn und der Freundschaft für Friedlaender, die in den obigen Worten Tiedge’s zum Ausdruck gelangen, wurden von dessen Freundin Elisa von der Recke und von deren Stiefschwester, der Herzogin Dorothea von Kurland, der Friedlaender die von ihm besorgte Neuausgabe des Phaedon zueignete (1814—1821, 6. Auflage) durchaus getheilt. An־ Elisa richtete Friedlaender sein bekanntes Sendschreiben: ״Beitrag zur Geschichte der Verfolgung der Juden im 19. Jahrhundert (Berlin. 1820)3), und sie war es auch, die in Gemeinschaft mit Friedlaender Prof. Krug veranlasste Friedlaenders letzte grosse Arbeit, seine Briefe: An die Verehrer, Freunde und Schüler Jerusalem^, Spalding’s, Teller’s, Herder’s und Löffler’s (Leipzig. 1823) herauszugeben4). Nach dem Tode ihrer Stiefschwester (21. Aug. 1821) schrieb Elisa an deren älteste Tochter, Herzogin Willielmine von Sagen, aus Dresden, 21. Oct. 1821: ״Auch Friedlaender hat mir einen herzliehen Brief geschrieben und denkt mit Rührung deiner edlen Tochterliebe. Vergesse nicht, Du Theure,. Dein altes Versprechen dem 72 jährigen Greise zu lösen und ihm eine Handschrift von Wallenstein und Piccolomini aus Deinem Nachodter Archiv5) 1-) Geiger, Berlin 1688—1840 (Berlin 1893—95) berichtet zwar (II. Bd. Yi. Kap.) von einer ganzen Reihe ähnlicher geselliger Yereinigangen, erwähnt aber einen Freitagskreis nicht. 2) Gemeint sind wohl hier sicher Friedlaenders Schwägerin Sara Leyj geb. Itzig (s. über dieselbe: Keyserling, Die Jüd. Frauen, S 228 f.j Remy, Das jiul. Weib. S. 250 ff. und Yarnliagen von Ense, Yerm. Schritten. II, S. 112 ff.) und Henriette Herz., 3) Ritter, a, a. 0. S. 155. 4) Ebendas. S 159. 5) Herzogin Wilhelmine war Besitzerin des Schlosses Nachod in Böhmen.