Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Brief Tiedge's an David Friedlaender
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 2)
- Language
- German
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Ein Brief Tiedgo’s an David Friedlaender. 333 der Literatur so wichtige Dienste, wie Mendelssohn, geleistet hahen, von Zeit zu Zeit erinnert werde. Das deutsche Volk ist eine vergessliche Nation״. Die hier vorliegende Version der Elegie zeigt gegen die erste Fassung, wie sie sich in den Ges. Schriften Mendelssohn’s (VI, S. 429 ff.) vorfindet, eine grosse Anzahl von stilistischen Verbesserungen, durch welche das ganze Gedicht an Formvollendüng und Abrundung nur gewonnen. Die Stanze, die Mendelssohn in der ersten Fassung unüb׳ersetzt gelassen und die von Ohr. Gottl. Mayer ergänzt worden war (S. a. a. 0. S. 433), ist in der Hauptsache auch in der zweiten Version erhalten geblieben, und hat sich so die Erwartung Mayer5s, dass Mendelssohn sie ״bei einer andern Gelegenheit mit seiner Uebertragung einstimmiger machen, und ihr ein schöneres poetisches Kleid geben wird, als ich ihr zu geben im Stande war״ nicht erfüllt. Ueberkommen war die Elegie Tiedge, wie aus einem mir vorliegenden Originalbrief desselben an David Friedlaender hervorgeht, durch den Letzteren. Da dieser Brief sehr charakteristisch für die innig freundschaftlichen, von Ritter1) nicht erwähnten Beziehungen ist, die zwischen den Genannten bestanden, so seien aus demselben die hier interessirenden Stellen mitgetheilt. Der Brief (8 Seiten 8°) ist von Verona, den 10. Oct. 1804, datirt, und beginnt: ״Mein Theurer, mein innig geliebter Freund. Ihr Briefchen erfreute mich, wie die plötzliche Erscheinung eines recht lieben Besuchs. Das Wort eines Freundes, das den Freund in der Ferne aufsucht, ist eine eben so liolde Ueberraschung, wie die Engel des alten Bundes, die zu den Hütten der frommen Patriarchen kamen. Die Elegie aus dem Hebräisehen hat meinen ganzen Beifall. Wahrhaft erhabene Stellen wechseln mit sanfteren, aus welchen eine zarte Wehnrath spricht. Ich habe diese Elegie mit der innigsten Rührung gelesen. Wie hat mich die Stelle ergriffen: 0 könnt ich mich mit schnellen Fittigen versehen Dann wollt ich in der Irre umherschweifen2) bis zu der Stelle: Und jede Verwünschung u. s. w. Mein Gemüth war ganz für den Klagegesang gestimmt;, denn ich war soeben von Venedig zurückgekehrt und hatte das 1-) Ritter, Dayid Friedlaender. Berlin. 1861. 2) Die Stelle ist — vermuthKch aus dem Gedächtnis niedergeschrieben — hier nicht ganz dem Wortlaut im Merkur entsprechend wiedergegehen.