Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 5)
- Language
- German
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Besprechungen. 287 Lesung ול yאב auch nur möglich wäre, ist bis auf Weiteres als Talmudkeinier nicht ernst zu nehmen. —־ S. 68, § 78, Nr. 3. Der Vf. wäre sicherlich zu einem andern Urtheil über den Abbe Chiarini gelangt, wenn er Steinschneiders (C. B. 4731) Hinweis auf Zunz (lies: ״Beleuchtung“) berücksichtigt hätte. — Ebenso würde er eine andere Meinung von Pinn er’s Leistung (das. S. 69) gewonnen haben, wenn er Steinschneiders (C. B. 1579 u. 6766,1) Citate: כ״ח II, 174 u. 194 geniigend beachtet hätte. Pinner ist übrigens meines Wissens, im Jahre 1803 in Lissa (Posen) geboren. — S. 75, III vgl. S. 105. Auch im ürtheil über Lederer’s Leistung muss ich Siegfried gegen den Vf. Recht geben. — S. 78, Anm. 6. Dr. Goldberg ist seit etwa 1897 in Polna, antisemitischen Andenkens, Rabbiner. — Die Uebersetzungsproben (S. 89 bis 100) sind bis auf wenige Kleinigkeiten, die ich mir zu den SS. 93 (bis), 94, 96, 98 (bis) u. 99 (an 7 Stellen) notirt habe, correct abgedruckt. Zu S. 96, VIII, 2 hätte jedenfalls bemerkt werden müssen, dass die Probe aus cod. Hamb. 158 wörtlich so im Catalog d. Hamburger hebr. HSS., S. 61 zu finden ist. Das Endergebnis des Vffs. gipfelt in dem Satze, dass ״wir nun, trotz vierhundertjähriger Uebersetzungs-Bemühungen, erst am Beginn streng wissenschaftlicher Uebersetzuugsarbeit stehen“. Bestreiten wird ihm das Niemand. Streiten kann man höchstens darüber, ob in der That eine Talmud-Uebersetzung so ungemein nützlich und nothwendig ist, wie der Vf. anzunehmen scheint. Und da mussich fragen: cui bono? Der Talmud ist in tausenden von Exemplaren verbreitet und liegt aufgeschlagen vor aller Welt. Seit anderthalb Jahrtausenden lehren wir Juden (b. Ividd. 60 a): כל הרוצה ללמוד יבוא'וילמוד. Wozu braucht Ihr eine UÜbersetzung? Schöpfet doch aus den Quellen. Schaffet doch der akademischen Jugend die Gelegenheit, sich an den Hochschulen, an denen man heute schon die wissenswertesten Dinge über Tungusen, Botokuden und Bantu-Neger und deren Verdienste um die Menschheit lernen kann, auch in diesem Bereich zu ertüchtigen. ״Die zu den Vorarbeiten, der Ausarbeitung und der Drucklegung [einer Talmudübersetzung] etwa erforderliche eine Million Mark“, meint der Vf., ״ist für das Reich eine Bagatelle“. Mag sein, wenngleich das deutsche Vaterland heute manches Milliönchen nöthig hat, um mit Hülfe von Panzerschiffen, Torpedos und gezogenen Kanonen über die gelben und schwarzen Menschen in Asien und Afrika die Segnungen der christlich-germanischen Cnltur sich ergiessen zu lassen und ihnen das Verstaudn.iss für die Grundsätze der Haager Friedens-Conl'erenz zu eröffnen. Wo wäre heute die jüdische Wissenschaft, wenn die Juden hätten warten wollen, bis irgend eine europäische Grossmacht eine kleine Million für sie übrig gehabt hätte? Sie hätte wohl hoffen und harren müssen, bis einst am Ende der Tage die Kanonenrohre in Butterfässer und die Gewehrschafte in SpazierstöckclieiL umgewandelt worden wären. Sie wird auch auf die neue so liebenswürdig beantragte Million nicht warten, sondern rüstig weiter arbeiten nach dem erprobten talmudischen Recept (Nedarim 37 a): מה אני בחנם אף אחם בחנם und wird mit Gottes gnadenreicher Hülfe auch so zu ihrem Ziele kommen — mit oder ohne Talmudübersetzung. M. Braun. Clementz, Dr. Heinrich. Des Elavius Josephus Jüdische Alterthümer. Uebersefczt und mit Einleitung u. Anmerkungen versehen. II. Bd. Buch XI bis XX. Mit 1 Abbildung, 2 Stammbaumtafeln uud Namenregister. 724 SS.,