Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 2)
- Language
- German
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•284 Besprechungen. unentbehrliche Grundlage, auf der eine kritische Geschichte sich aufbauen müsste, zu ersetzen. Dagegen ist seine Arbeit eine wegen ihrer Reichhultigkeit und Uebcrsichtlichkcit höchst brauchbare und 'dankenswerthe, und — soweit seine nicht überall in gleicher Weise zulänglichen Kenntnisse und Hilfsmittel reichten — auch eine durchaus fleissige und gewissenhafte bibliographische Vorarbeit zu einer solchen kritischen Geschichte. Nachdem der Vf. in der Vorrede (S. 5—10) zunächst die Nothwcndigkeit emer kritischen Geschichte der bisherigen Thalinud-Ucbersetzungen aller Zeiten und Zungen begründet hat, behandelt er in der Einleitung (S. 11—17) einige irrthümlich für Uebersetzungen gehaltene Werke und geht dann zum eigentlichen Gegenstände seiner Untersuchungen über. Er bespricht nacheinander die Mischnah (S. 10—56), die palästinensische (S. 57—60) und babylonische Gemara (S. 61 — 76), indem er überall zuerst die Gesammtübersetzungen (§§4—13 bezw. 67 und 75), dann die Ueber- Setzungen grösserer Theile (§§ 14—20a und 76—77c) und zuletzt die Einzelubersetzungen (§§ 21—66, 70- 74 und 78—82) aufzählt, beschreibt und mehr oder minder eingehend beurtheilt. Im vierten Theil (S. 77—88) behandelt er die aussercanonischen Tractate (§ 83—86) und giebt einen ״prägmatischen IJeberblick“ über seine gesammten Untersuchungen. Endlich tlieilt er im Anhang etwa 40 Ucbcrsetzungsprohen (S. 89—103) mit und fügt eine:Reihe von Berichtigungen undErgänzungen (S. 103—106) zu seinem Buche hinzu. Ein sorgfältiges alphabetisches Register (S. 107 bis 109) .schliossfc das ganze ab. Das umfangreiche Material, das sich auf etwa 300 Handschriften und meist sei teile Druckwerke erstreckt, hat der Vf. mit Gewandtheit und Umsicht gesammelt, gesichtet und geordnet׳, wie oberflächlich bereits der U überblick über die Anlage seines Buches erkennen lässt. Einen grossen Theil der Uebersetzungen hat er selbst in Händen gehabt. Jedes einzelne Stück hat er sorgfältig verzeichnet und meist tadellos beschrieben. Ueber den Lehensgang der Uebersetzer — ich zähle deren etwa 150 — hat er eingehende Untersuchungen angestellt, und ist nicht selten zu neuen gesicherten Ergebnissen gekommen. Freilich wäre manches IJrthoil vermuthlieh anders ausgefallen und manchemühevollejUntersuchung sicherlich unterblieben, wenn dem Verfasser die Forschungen jüdischer Gelehrter ausreichend bekannt gewesen wären. So würde er nicht so gar wohlgemuth von einer ״fabelhaften“ (S. 5) oder wenigstens ״angeblichen“ (S. 12f). arabischen Talnmd-Uebersetzung geredet haben,־ ־wenn er von Zu uze 11s Aufsatz in der ZDMG. 25, 435ff., (wieder abgedruckt in dessen ges. Schriften III, 50ff, vgl. das. bes. S. 63) Kcnntniss gehabt hätte. Denn dessen darf er sicher sein, dass selbst die ״dii lniiiorum gentium“ (S. 104) unter den jüdischen Gelehrten genau wissen, was gewöhnlich das verbum פרש bedeutet. Im Ucbrigen hätte er, wenn er sich schon einmal auf Vermuthungen über den Zunamen אבן שטנאש einliess, nicht vergessen dürfen, auch Joel Müller’s Meinung (Die Responsen spanischer Lehrer d. 10. Jahrhunderts, Berlin, 1889, 4. S. 5. 23f.) anzuführen. Erst recht aber wäre es am Platze gewesen, eine Autorität wie J. H. Weiss (IV, 271) zu citieren, zumal dieser zu den Wenigen gehört, die an dem locus ©lassicus bei Abraham Ihn Daud פרש in der Bedeutung ״erläutern“ nehmen. Welche Deutung nun die richtige ist, ist schwer zu sagen. Vielleicht bringen neue handschriftliche Funde einmal eine endgültige Aufklärung. Anstatt jedoch hier Einzelnes ohne Wahl herauszugreifen, dürfte es angemessener sein, dem Gang der Untersuchungen des Vfs. selber zu folgen.