Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Actenstücke zur Geschichte der Confiscation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 5)
- Language
- German
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224 Actenstückc zur Geschichte d. Confiscation d. hebräischen Schriften. mitzutheilen haben. Es ist klar, einleuchtend und gewiss, dass Dir die Zeit lang werden musste, seitdem wir Dich mit leeren Händen haben sitzen lassen, wie es sich ■keineswegs gebührte. Aber die Schwierigkeiten, die widerstrebenden Gemeinden, die nahen sowie die entfernteren, zu einem Bunde zu vereinen und sie zu gemeinsamem Handeln gegen unsere Feinde zu bestimmen — das kaiserliche Mandat betrifft sie ja ebenfalls — sind kaum zu bewältigen; deshalb haben auch unsere Rabbiner schon zum zweitenmal eine Verfügung an unsere Glaubensgenossen in den oberen und unteren Kreisen erlassen müssen. Der Raum reicht nicht hin, um all die Misserfolge aufzuzäblen, die wir bis jetzt mit allen Gemeinden in unserer Umgebung gehabt haben. Noch haben wir keinen einzigen Heller von ihnen erhalten, alle ziehen vielmehr ihre Hände von uns ab und vertrösten uns mit leeren Versprechungen und windigen Redensarten. Deswegen musst Du Dich schon selbst bemühen, die Summe aufzutreiben, die wir bei Deiner Abreise von hier festgesetzt hatten, denn dahin ist Bewahrtes und Verschlossenes (5. B. Moses XXTK, 36) und nur Gott und unser eigner Geldbeutel können uns jetzt retten. Ueber diesen darfst Du aber nur soweit verfügen als wir Dir angegeben haben. Wir schicken Dir einen auf Herrn Jakob b. Rap., genannt Jacob Aschkenas, ausgestellten Wechsel. Er hat die Witwe Belchen (Bella), Tochter des Herrn Kohen aus Friedbürg (Friedberg), geheirathet. — Lies das Schriftstück, du wärst daraus ersehen, dass er dir 200 rh. Gulden geben soll. Ueber die empfangene Summe wärst Du ihm eine Quittung ausstellen. Es ist zwar gewiss ganz unnöthig, dich jetzt schriftlich weiter anzuspornen, da nach unserer Meinung alles gethan ist, was zu thun war. Nichts destoweniger — wenn es nichts nützt so schadet es doch nichts. Selbstverständlich wäre es das Liebste und Beste, wenn du das ganze unheilvolle Verhängniss ab wenden und durchsetzen könntest, dass man uns die Bücher, die man uns genommen, zurückgebe, und dass wir zu keinerlei Disputation weder mit abtrünnigen Juden, noch mit (geborenen) Christen genöthigt würden. Sollte dies aber vor der Hand nicht zu erreichen sein, dann suche wenigstens durchzusetzen, dass unser Kaiserlicher Herr den Termin bis zu einer geeigneteren und friedlicheren Zeit hinausschiebe. Wird er dann einen Termin festsetzen und einen Tag bestimmen, so werden wir mit Gottes Hülfe vor ihm mit einer Rechtfertigung, die ihm einleuchtend sein wird, erscheinen. Ueber die Verlegung des Termins musst Du Dir selbstverständlich eine