Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die englische Intervention zu Gunsten der böhmischen Juden im Jahre 1744
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
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Die englische Intervention z. Gunstend. böhmischen Juden i. J. 1744. 179 (III, XI); aber den Plan einer allmählichen Ausweisung der Annen und Erwerbslosen scheint er nicht missbilligt zu haben, er sucht sogar denselben zu rechtfertigen (XT). Es waren demnach nur die wohlhabenden Juden, die er seines Mitleids für werth hielt. Dass er so dachte, ergiebt sich auch aus einer anderen Stelle, an der er von besseren Juden spricht, wo nur die reichen gemeint sein können (XIII). Der Eifer, mit dem er die Sache der Juden vertrat-, verdient zwar dankbare Anerkennung, aber er verfuhr dabei nur gemäss den Instruktionen seines königlichen Herrn. Dieser ist es, dem der Zoll der Dankbarkeit gebührt; er verdient es, dass sein Andenken von der jüdischen Geschichtsschreibung gefeiert werde. Die scharfen, ungeschminkten Worte, mit denen er das Vorgehen der Königin geisselt, athmen echtes Mitleid, wahre Menschenliebe, aus ihnen spricht wahre sittliche Entrüstung, sie bilden ein ehrendes Zeugnis für seine edle Gesinnung. Zu erwähnen ist ferner, dass auch der Earl of Chesterfield, damals Vicekönig von Irland, Robinson beauftragte, mit Eifer und Energie für die Zurücknahme der Dekrete vom 18. Dez. 1744 und 2. Jan. 1745 zu wirken (IX, XI). Es war ein furchtbarer, vernichtender Schlag, den Maria Theresia in diesen Dekreten r) gegen ihre jüdischen Unterthanen in Böhmen und Mähren führte. Bis Ende Juni 1745 sollten diese Kronländer von ihrer jüdischen Einwohnerschaft gänzlich geräumt sein. Innerhalb der Stadtgrenzen Prags sollte schon nach Ablauf des Monats Januar kein Jude zu finden sein, widrigenfalls ״er mit militärischer Hand ausgeschafft würde“. Es war zwar nicht das erste Mal, dass die Juden Prags und Böhmens gezwungen wurden, den heimathlichen Boden zu verlassen; sie hatten schon wiederholentlich zum Wanderstabe greifen müssen* 2). Aber die Umstände, unter denen dies geschah, waren nie so ungünstig, ihre Aussichten, eine neue Heimath zu finden, nie so gering gewesen. Ihre Baarmittel waren theils infolge der hohen Contributionen, die sie an den Feind gex) S. G. Wolf, die Vertreibung der Juden aus Böhmen, im Jahrb. für d. Gesch. der Juden und des Judenth., IV, 152 f. Vgl. auch A. Trebitsch, קורות העתים, Brünn 1801, 17h. 2) S. Wolf a. a. 0. 147 f. 12*