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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 4 · p. Seite 176

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 4
Article
Actenstücke zur Geschichte der Confiscation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M.
Date
1900-01-01
Page
Seite 176 (sequence 10)
Language
German
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176 Actenstiickc zur Geschichte cl. Confiscation d. hebräischen Schriften. Darüber ist unser Kaiserlicher Herr und seine Käthe aufs äusserste erzürnt, so dass zu befürchten ist, dass sie mit Absicht Ent־ setzliches über uns haben her auf beschwören wollen. Schleunigst müsst ihr darum jetzt kluge und verständige Männer aus unseren Gemeinden, die selbstverständlich reichlich mit Gold und Silber versehen sein müssen, zum Kaiser senden und seine Gnade anflehen und um’s Leben bitten; vielleicht erbarmt sich der Allerbarmer über uns und schenkt uns Huld in seinen Augen, dass sie etwas zum allgemeinen Besten durchsetzen können. Denn es sind Dinge zu befürchten, die ich gar nicht niederschreiben mag. Wenn der Marschalk des Erzbischols mir nicht Geld vorgeschossen hätte, so würde, ich meinen Aufwand hier selbst bis jetzt gar nicht haben bestreiten können. Nicht Ein Wort habe ich entstellt wieder gegeben. Ueberlegt es Euch wohl und handelt nach bestem Ermessen. So möge sich denn Gott erbarmen. So schreibt und unterzeichnet Euer Diener Jonathan Levi. Geschrieben in einem Dorfe bei Lizana1), und mein Bote zog am Donnerstag den 2ten Kislew [15. November] ab. Und nach allem, was ich dem Briefe nicht anvertrauen mochte, fragt den Ueberbringer, R. Hiskiah, er ist in alles eingeweiht. Und wenn es mir nicht durchaus nothwendig erschienen wäre, hätte ich mich gewiss meines Dieners nicht beraubt und ihn zu Euch geschickt; denn oft kommt der Kaiser in Gegenden, wo man mich nicht versteht, und wo ich nicht einmal ein Stückchen Brot verlangen kann. Darum hätte er mich eigentlich nicht für längere Zeit verlassen dürfen. Und nun, meine lieben Glaubensbrüder! Wenn Ihr willig seid und gehorchet, so wird es Euch wohl ergehen; und wenn Ihr Euch weigert, so möge Glück und Segen wenigstens am Ende Euch noch zu Theil werden. Obgleich ich weiss, dass die übrigen Gemein den und der Rest des Volkes mir nicht glauben und auf meine Stimme nicht hören werden, und meine Erzählung, da ich ein Frankfurter bin, verdächtigen werden, so kann ich doch mit meiner Meinung nicht hinter dem Berge halten [und bitte Euch:] Beachtet ja das erste Mandat! Denn das muss ich sagen: wenn Ihr gehört und gesehen hättet, was ich gehört *) wohl Lavagna bei Verona.

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