Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Materialien zu einer Biographie Wolf Heidenheims
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 10)
- Language
- German
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186 Materialien zu einer Biographie Wolf Heidenheims. In überaus freundlichen Beziehungen zur Gemeinde stand auch der Senior der Frankfurter protestantischen Geistlichkeit Hufnagel1). Er war früher Professor der Theologie in Erlangen gewesen und hatte in Frankfurt über 30 Jahre im Sinne edler Humanität und Toleranz und in eifriger Förderung der Emancipation der Juden gewirkt. Ende 18*22 theilte er dem Vorstande der Gemeinde in einem hebräischen Schreiben mit, dass er in ׳den Buhestand trete und drückte dabei seine Dankbarkeit für die ihm ihrerseits erwiesene Aufmerksamkeit und seine Wünsche für ihr Gedeihen aus. Eine hebräische Ode, die Heidenheim abfasste, war die Erwiderung. Dieses Meisterstück hebräischer Stilistik hat den Senior so entzückt, dass er darauf bestand, den Namen des Verfassers zu erfahren und zum Dank ihm eines seiner Werke sandte2). An den Emancipationsbestrebungen seiner Glaubensbrüder nahm Heidenheim lebhaften Antheil. Bereits oben ist bemerkt-, dass er Mitarbeiter der der Cultur der Juden sehr förderlichen Zeitschriften Sulamith und Meassef war. Wie Mendelssohn durch die Uebersetzung des Pentateuch, wirkte — allerdings nicht in gleich hohem Maasse — Heidenheim durch Ueber- Setzung anderer Bibeltheile, der Gebete und des Machsor. 1803 veröffentlichte er in hebräischer Sprache einen Aufruf an die Juden, zu den Ausgaben, welche die Erwirkung der Abschaffung des Leibzolls verursachte, beiznsteuern. Den um die Emanci•־ pation der Juden hochverdienten Fürstprimas von Frankfurt, Karl v. Dalberg, feierte Heidenheim in einer grossen prächtigen Ode, betitelt die Vision Zions, deren deutsche Uebersetzung durch Büschenthal an Klopstock erinnert3). Mit welchem Beifall sie aufgenommen wurde, ersehen wir aus einem Briefe von Bettina Brentano an Goethe. Sie schreibt: Besonders zeichnen sich die Oden, die sie (die Juden) dem Fürstprimas widmen, aus4). In Rödelheim verlor H. seine Lebensgefährtin und hei־ ratliete in vorgeschrittenem Alter noch einmal. Dieser Ehe entspross ein Mädchen, sein erstes und einziges Kind. In den־ letzten Jahren kränkelte er, war aber dennoch unaufhörlich) thätig. Während er noch Entwürfe zur Herausgabe des betfc deutenden Materials machte, das er aufgeschichtet hatte, er 11־ eilte ihn am Donnerstag, den *23. Februar 183*2 der Tod. Seine *) Ist er derselbe, der die hebräischen Poesien Wessely’s ins Deutsche[־ .übertrug (Znnz, Monats tage 14)? 2) Aus dem Archiv der FranldV Gemeinde. 3) Beide in der ״Sulamith“ veröffentlicht. 4) Briefwechsel mit einem Kinde, S. 129 f.